Munich Media Watch

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Netzwerk der Macht

 

Die Wege des Geldes sind unergründlich – könnte man meinen. Ein Verbund aus Hackern und Netzaktivisten möchte mit dem Projekt MachtVZ die Verflechtung von Macht und Geld durchschaubar machen.
Von Natalie Berner

 

Der ironische Slogan von MachtVZ lautet: „MachtVZ vereint die Großzügigkeit der Parteispenden, die Ehrlichkeit der Abgeordnetennebeneinkünfte und das Engagement der registrierten Lobbyverbände.“ Als Quellen dienen Datensätze über Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten, Parteispenden oder Lobbyregister. Nach dem Prinzip einer Suchmaschine werden seit Februar 2014 alle relevanten Eintragungen über einen Abgeordneten oder ein Unternehmen angezeigt. Der Name MachtVZ und die Darstellung mittels dynamischen Netzwerkdiagramms sind eine Analogie auf die einst erfolgreiche Social-Media-Plattform StudiVZ.

Was liefert MachtVZ? Beeindruckend ist beispielsweise die Liste der Nebeneinkünfte von Peer Steinbrück und wenig überraschend die Parteispenden der Hubert Burda Media Holding an die CDU. Andere große Medienunternehmen wie Axel Springer bringen jedoch noch keine Treffer.

„Die Software ist sehr, sehr grob“, sagt Stefan Wehrmeyer, 28 Jahre, Softwareentwickler und ehrenamtlicher Mitgründer von MachtVZ. „Sie hat viele Lücken, aber wir wollen einfach zeigen, was möglich ist, und Machtstrukturen in größeren Geflechten sichtbar machen.“ Stefan gehört zum Team der Open Knowledge Foundation. Ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Transparenz und den offenen Zugang von Daten einsetzt. „Wir möchten Daten rausgeben, die Grundlage politischer Entscheidungen sind“ sagt Stefan, der auch die Webseite „FragdenStaat“ betreibt. Hier können Dokumente von Behörden angefordert werden. Der Prozess, Antworten und gegebenenfalls Ablehnungen werden veröffentlicht.

Auch auf EU-Ebene ist die Open Knowledge Foundation aktiv. Openinterests.eu will diese Frage beantworten: „Who has financial or political interests in the European institutions?“ Auch hier kann der mündige Bürger Einblicke in das komplexe Netzwerk von Macht und Einfluss bekommen. „Wir befinden uns mitten in der Open Data Revolution“, heißt es auf der Webseite. Der Gedanke einer Revolution scheint plausibel, wenn man sich weitere Projekte der Open Knowledge Foundation wie Offenes Parlament, Offener Haushalt oder Offene Entwicklungshilfe anschaut.

Die Wege des Geldes sind also durchaus ergründbar, aber was passiert dann? Stefan Wehrmeyer erklärt: „Wir zeigen, was überhaupt möglich ist. Welche konkreten Aktionen sich daraus ableiten lassen, das ist noch nicht klar. Im Zentrum steht erst mal die Erkenntnis.“ Stefan und sein Team machen Wissen, das im bürokratischen Apparat zu versickern droht, leicht und für jeden verfügbar – es muss nur genutzt werden.

Über Natalie Berner

Studentin am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung. Mag Zeitung auf Papier, Fernsehen on-demand und Fragen in die Tiefe.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 3. Juni 2014 von in Aufgefallen und getaggt mit , , , , , , .

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