Munich Media Watch

Uns bewegt, was Medien bewegt.

Auch Infografiken zeigen Gefühle

Von wegen nur langweilige Aktienkurse und immer dieselben trockenen Wahlergebnisse. Das ZEITmagazin räumt auf mit Vorurteilen gegenüber trockenen Balken und kühlen Kreisen und Kurven. So geht Datenjournalismus.

Von Lisa Hasenbein

datenjournalismuscollage

Der Werbefachmann Michael Palmer sagte es einst so: „Daten sind das neue Öl.“ Warum Öl? Unbearbeitet  so gut wie wertlos, verarbeitet jedoch ein Schatz. Diese Schätze sind im Print all das, was den immer gleichen Tabellen, Diagrammen und Aufzählungen den Kampf ansagt: Infografiken mit Witz und voller Kreativität. Wertvoll nicht nur im ästhetischen Sinne – darüber lässt sich bekanntlich streiten – sondern vor allem auch, was das Selbstverständnis des publizierenden Mediums betrifft. Das will informieren. Und zwar nicht nur oberflächlich, indem es dem Leser unzählige Daten und Zahlen vorsetzt. Die Inhalte sollen ankommen. Wie könnte das besser funktionieren als durch eine Aufbereitung, die Interesse weckt? Grafiken, die zum Studieren einladen. Es soll Spaß machen, sich zu informieren.

Open Data und Data Driven Journalism sind die Schlagwörter der Stunde, vor allem online. Spätestens Wikileaks brachte den Durchbruch dieser Erzählform: ein Datensatz im Mittelpunkt der Story. Das ZEITmagazin Nr. 22/2014 beschäftigt sich mit einem dankbaren Thema: „Wie kann man Liebe zeigen? Eine kleine Vermessung“. Ist ja nicht schwer, das interessant zu gestalten, mag jetzt der ein oder andere denken. Natürlich: Bei Statistiken zu den Bundestagswahlen steht der Journalist vor anderen Herausforderungen. Und trotzdem: Selten sieht man die ganze Vielfalt der Grafikwelt auf nur 15 Seiten. In der Tablet-Version des Magazins sind die Infos sogar interaktiv aufbereitet.

Je digitaler, desto vielfältiger die Möglichkeiten. Im Online-Journalismus ist bei dem Spiel mit Farben, Formen, Text und Bild noch lang nicht Schluss: Animationen, Ton, Bewegtbild – so lebendig und anschaulich waren Daten selten. Das weiß auch die ZEIT.
informationisbeautifulMit diesen Möglichkeiten muss man erst einmal umgehen können. Für das Feature im ZEITmagazin waren nicht nur gelernte Grafiker am Werk. Journalist sein heißt schon lange nicht mehr einfach nur schreiben. Das zeigt auch David McCandless. Der Londoner Autor, Schreiber und Grafiker arbeitete unter anderem für The Guardian. Auf seinem Blog Information is beautiful zeigt er, was Datenjournalismus heißt.

Und für alle, die Gefallen gefunden haben, noch ein weiteres Beispiel. Eine Zahl bekommt eine zeitliche Dimension durch  Animationen: „7 Billion“ im National Geographic Magazine.

Über Lisa Hasenbein

Studentin, Medienfutzine und Psychologin von morgen. Auch bekannt als Weltenbummlerin und Geschichtensammlerin. Überzeugt davon, dass jede Frage eine Antwort verdient und es von guten Geschichten nie genug gibt. Das Leben ist ein Buch – lies es, schreib es – jeden Augenblick aufs Neue.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 4. Juni 2014 von in Gelesen und getaggt mit , , , , , .
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