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Knast mit Familienflair – Der Tatort vom 09.06

„Tatort-Deutschland“, wie der Spiegel es nennt, hatte dieses Wochenende gleich doppelt Grund zur Freude: neben Saalfeld und Keppler am Sonntag hatten Lannert und Bootz am Montag ihren Auftritt. Letztere spielten im Knast. Dort herrschte traute Familienstimmung.

Von Julia Anton

Es geht ganz vielversprechend los. Eine Frauenleiche wird gefunden, ein Verdächtiger scheint dank DNA-Spuren schnell identifiziert zu sein – hätte er nicht das, so Bootz, beste Alibi, das man überhaupt haben kann. Der Gute sitzt nämlich schon im Knast. Wie also kam er raus? Warum kam er zurück? Da er nicht der erste Häftling aus der JVA Zuffenhausen ist, der während des Vollzugs einer Straftat verdächtigt wird, wird Kommissar Lannert alias Peter Sailer als verdeckter Ermittler in die Anstalt eingeschleust.

Natürlich darf ein geheimer Treffpunkt mit Bootz, der gerade mitten in der Scheidung steckt, nicht fehlen. Erste Wahl: der Puff. In einem roten Zimmer mit großem Bett und umgeben von allerlei Spielzeug tauschen die beiden Kommissare Ermittlungsergebnisse aus. Später trifft man sich fast schon stilvoll in einem leerstehenden Zug.

Der Fall gestaltet sich wie folgt: im Knast herrscht Familien-Stimmung. Für die mitverschwörerischen Insassen gibt’s nächtliche Ausflüge, Vorzugsbehandlung und die zweifelhafte Ehre, Teil einer Familie zu sein. Die anderen kassieren Prügel beim Basketballspiel. Anführer ist JVA-Leiter Franke, genannt der ‚King‘. Dem ebenfalls verdächtigen Beamten Schäffler wird nach dem Mord zu Beginn alles zu viel. Bevor er jedoch gegenüber Lannert etwas verraten kann, begeht er Selbstmord. Im Gefängnis, aber weil das ja kein gutes Licht auf die ‚beste JVA Baden-Württembergs’ wirft, trägt man den Toten lieber in den Wald und knüpft ihn dort wieder an den Baum.

Um das Geheimnis zu wahren, soll nun Schäfflers Frau beim nächsten nächtlichen Freigang aus dem Weg geräumt werden. Deren Vater arbeitet aber ebenfalls in der JVA und kommt der ganzen Sache zuvor, in dem er einen anderen Häftling auf Franke ansetzt. Großer Auftritt von Bootz, der zunächst alleine Franke und dann gemeinsam mit dem LKA den enttarnten Lannert vor wütenden Insassen rettet. Die Bösen werden festgenommen, Happy End.

Als Zuschauer ist man regelrecht erschlagen von der geballten Korruption. Warum die Häftlinge nach einem nächtlichen Freigang nicht einfach untertauchen, wird nicht ganz klar. Aus Liebe zur Familie kommen sie aber vermutlich nicht zurück. Dennoch ist der Tatort spannend, obwohl auf hektische Schnitte verzichtet und viel auf Dialoge gesetzt wird. Überzeugende Figuren helfen über die zwischendurch verwirrende Geschichte hinweg.

Mein Lieblingsfall war es nicht. Trotzdem beginnt man sich zu fragen, wie das wohl in der einen oder anderen Vollzugsanstalt so läuft. Eigentlich will man’s gar nicht wissen. Lieber warte ich gespannt auf die neuen Fälle nach der WM-Sommerpause.

Über Julia Anton

22, 55. Lehrredaktion an der DJS/LMU.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. Juni 2014 von in Gesehen und getaggt mit , , , , , , , , , , , , .
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