Munich Media Watch

Uns bewegt, was Medien bewegt.

Zauberwort Crossmediales Storytelling

Neue Webtechnologien und Multimedia erfinden den Reportage-Begriff neu. Selten war der Leser so nah an der Geschichte dran. Ein Streifzug durch die besten Projekte im World Wide Web.

Von Lisa Hasenbein

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Im Dezember 2012 brachte Snowfall nicht nur in seiner Story eine Lawine ins Rollen. Thema ist ein Lawinenunglück, die Darstellungsform eine Reportage. Eine Reportage der Extraklasse. Das Projekt der New York Times gilt als der Vorreiter auf dem Gebiet des multimedialen Storytellings. Ton, Bild, Video, bewegte Karten, Slideshows ergänzen den Bodytext – und machen die Geschichte so gut greifbar wie nur möglich.

Ähnlich auch ein Projekt im New York Magazine: A Game of Shark and Minnow arbeitet noch mehr mit Tönen. Der Leser – beziehungsweise der Rezipient mit allen seinen Sinnen – liest und sieht nicht nur, sondern bekommt das Gefühl, die Geschichte würde sich direkt vor seinem Fenster abspielen.

Nach dem Hype um Snowfall kam wenige Monate später das erste Pendant aus Deutschland. Die Rhein-Zeitung publizierte unter dem Namen Arabellion ein Online-Special zu der Situation in arabischen Ländern. „Was vom Frühling bleibt“ erzählt mehr als eine einfache Geschichte politischer Unruhen.

Zum 100-jährigen Jubiläum der Tour de France erschien das erste Multimedia Kunstwerk aus dem Hause der ZEIT. Das Feature begeistert vor allem mit seiner Aufbereitung von Hintergrundinformationen: Eine bebilderte Zeitleiste erklärt die „Evolution der Rennräder”, eine Infografik macht Blutdoping verständlich und ein interaktives Diagramm vergleicht die Leistung von zwei Radfahrern. Spannender als jeder Fernsehbericht – wobei man doch immer sagt, TV sei DAS Medium.

Die New York Times erzählt in 4:09:43 außerdem auf erstklassige Art die Geschichte zum Bombenunglück während des Boston-Marathons. Im Mittelpunkt steht ein Bild vom Zieleinlauf. Videogeschichten verlinken, was verschiedenen Personen zum Zeitpunkt der Explosion passiert ist. Es scheint, als hätte man die Zeit angehalten und könnte mit den Menschen vor Ort sprechen.

Mit NSA Files: Decoded liefert The Guardian eine weitere ganz besondere Story. Crossmedia spannt den Bogen von der Einbindung von Original-Dokumenten (etwa: gerichtliche Anordnungen) über interaktive Grafiken und Diagramme zum Thema “Privacy” bis hin zu einem Live-Counter, der das Volumen von der NSA selektierter Daten anzeigt. Wow!

Arte und die Süddeutsche Zeitung haben mit ihrem gemeinsamen Projekt Fort McMoney neben der Reportage auch das Format der Dokumentation neu erfunden. In einem Doku-Game wird der Leser hier zum Spieler und entscheidet selbst über die Entwicklung der Geschichte. Am Ende trifft so jeder selbst moralische Entscheidungen über den Rechercheinhalt. Ergänzende Texte und Informationen sind in das Spiel eingebunden und dadurch alles andere als trocken und langweilig.

Klares Urteil: Rein ins Abenteuer, Durchklicken lohnt sich! Wer etwas erleben will, sollte diese Projekte nicht verpassen – Zeit, spannende Geschichten zu erleben.

Über Lisa Hasenbein

Studentin, Medienfutzine und Psychologin von morgen. Auch bekannt als Weltenbummlerin und Geschichtensammlerin. Überzeugt davon, dass jede Frage eine Antwort verdient und es von guten Geschichten nie genug gibt. Das Leben ist ein Buch – lies es, schreib es – jeden Augenblick aufs Neue.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. Juni 2014 von in Aufgefallen und getaggt mit , , , , , , , , , , , .
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