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Halbwahrheiten über Ernährung: Warum Obst dick macht und ein grüner Smoothie krank

Wer sagt, Germany’s next Topmodel vermittle jungen Mädchen eine falsche Einstellung zu Gewicht und Ernährung, hat noch nie Magazine wie Instyle oder Shape gelesen. Halbwahrheiten über Ernährung, besonders über Obst und Gemüse, sowie mangelhafte Ernährungspläne sind dort zu finden.

von Julia Anton

DSCN1104Die Titelzeile der Juni-Instyle 2014 lässt einen schon schauern: „Grüne Smoothies – Gesundheitsrisiko?“ Aber die aufmerksame Instyle-Leserin weiß aus einem Abnehmbeitrag der vorigen Ausgabe: Höchstens zwei Stück Obst am Tag soll man essen, denn Obst und Fruchtzucker sind schlecht für die Haut und machen „obendrein dick“.

Genau betrachtet findet sich in beiden Aussagen auch ein wahrer Kern. Liest man den Beitrag über die „Grüne Hölle“ zu Ende, erfährt man, dass die Autorin sich vier Wochen lang ausschließlich von Smoothies ernährt hat. Was sie aber letztlich krank gemacht hat, waren nicht die Smoothies an sich, sondern der Verzicht auf wichtige Nährstoffe (Eiweiß, Fette, Kohlenhydrate). Eine weitere interessante Behauptung: Eine ausgewogene Ernährung sei nur „nur möglich, indem wir Fisch, Fleisch und auch Getreideprodukte verzehren“. Ich bin Vegetarierin.

Und natürlich ist Fruchtzucker am Ende auch nur Zucker. Die in frischem Obst enthaltene Glucose ermöglicht es aber dem Körper, die Fructose optimal zu verwenden. Zwar sollte man sich bewusst sein, das Obst nicht kalorienfrei ist, jungen Mädchen gegenüber aber zu behaupten, es mache dick, bleibt nicht folgenlos, schließlich enthält Obst wichtige Vitamine.

Auch Shape gibt kein gutes Beispiel. Diese Sportzeitschrift zeigt, was eine junge Frau nach einem großen Abnehmerfolg isst, um schlank zu bleiben: einen Proteinshake zum Frühstück, mittags Gemüseauflauf, Joghurt mit Obst zum Nachtisch und vor dem Training eine handvoll Nüsse. Das alles wäre bei mir eine Mahlzeit.

Germany’s next Topmodel schickt immerhin, groß inszeniert, im Vorcasting zwei Mädchen nach Hause, weil sie zu dünn sind. In der letzten Staffel sah man die Kandidatinnen auch öfter beim gemeinsamen Kochen und Essen. Sicher gibt die Sendung dennoch zahlreichen Zuschauerinnen Grund, mit ihrem Körper unzufrieden zu sein. Und dann präsentieren ihnen Zeitschriften, wie es angeblich besser geht.

Über Julia Anton

22, 55. Lehrredaktion an der DJS/LMU.

2 Kommentare zu “Halbwahrheiten über Ernährung: Warum Obst dick macht und ein grüner Smoothie krank

  1. katharinafuss
    18. Juni 2014

    Ich finde es sehr bedauernswert, dass Frauen und besonders auch junge Mädchen sich diesem falschen Bild einer „perfekten“ Frau hingeben, obwohl es doch so viele Aufklärungen gibt, die zeigen, dass es Perfektion nicht gibt. So oft sehe ich Werbespots darüber, wie sehr die Models retuschiert werden usw. Wenn ich ihre Tipps zur Ernährung lese, dann bemitleide ich diese Frauen eher.
    Sein Leben nur aus Shakes und Sport zu gestalten ist eindeutig kein glücklicher Weg. Es muss nicht immer auf Brot, Süßes usw. verzichtet werden, solange man einfach sportlich aktiv ist.
    Ich lebe lieber mein Leben mit durchschnittlichem Körper, als zu hungern um dafür begehrt zu werden!
    Finde ich top, dass du solche Themen ansprichst (:

    • Julia Anton
      18. Juni 2014

      Hallo, ich freue mich total, dass dir der Beitrag gefällt! Ich sehe das genauso – ich mache gerne Sport und koche frisch, aber ich esse auch gerne Schokolade und Brot sowieso :) Schade, dass man dann sowas in manchen Zeitschriften liest und viele das dann glauben… Liebe Grüße aus München!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 16. Juni 2014 von in Gelesen und getaggt mit , , , , .
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