Munich Media Watch

Uns bewegt, was Medien bewegt.

Kann man so mit Journalismus im Netz Geld machen?

Werbung, Crowdfunding, Stiftungsmodelle, Micropayment – welches dieser Bezahlmodelle stellt die Zukunft des Online-Journalismus dar, die der Gratis-Kultur für journalistische Inhalte ein Ende setzt?

Von Vera Dünninger

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Das Crowdfunding-Projekt Krautreporter kann starten! Die 25 Reporter überzeugten bis zum Freitag, den 13. Juni (von wegen ein Tag, an dem besonders viele Unglücke passieren) mehr als 15.000 mutige, zukünftige Leser des Online-Magazins ihre Kampagne mit jährlich 60 Euro zu unterstützen. Dasselbe glückte letztes Jahr schon ihren Vorläufern, den Machern der niederländischen Online-Publikation De Correspondent. Zahlreiche Medien berichteten (Zeit Online, Süddeutsche.de…)
Auch Richard Gutjahr gehört zur Redaktion des interessanten Start-up Modells Krautreporter. Wer nicht Leser der Münchner Abendzeitung oder des Berliner Tagesspiegels ist, kennt ihn eventuell aus der Spätausgabe der BR-Rundschau oder ist schon auf seinen Blog gestoßen (sehr überzeugendes Layout, wie ich finde).  Gutjahr versucht hier den ein oder anderen kostenpflichtigen Beitrag beziehungsweise Artikel mit Bonusmaterial über das Micropayment-System LaterPay zu finanzieren. Der Großteil seiner Inhalte ist jedoch gratis aufrufbar. „Aktuell befindet sich Laterpay in einer Beta-Phase und soll in diesem Blog getestet und weiter ausgebaut werden.“, schreibt Gutjahr. Er ist der Überzeugung: „Der Leser will bezahlen, sofern er den Nutzen des Gekauften erfährt und man es ihm einfach macht. Er will nur nicht ständig mit nervigen Vorabregistrierung und langen Vorab-Bezahlprozeduren belästigt werden, schon gar nicht unterwegs, wenn man nur mal schnell was lesen möchte.“ (Blog Gutjahr) LaterPay ermöglicht das Zahlen für einen einzigen Artikel. Der Aufbau einer Paywall, sprich der Forderung für eine komplette Ausgabe (bei Online-Zeitungen, -Zeitschriften) beziehungsweise ein Wochen-, Monatsabo aufzukommen, wird strikt abgelehnt. Es gibt allerdings auch Varianten, wie die der New York Times  – hier zahlt man erst ab dem elften Artikel pro Monat. Wie genau das neue Bezahlmodell LaterPay funktioniert ist hier nachzulesen. ‚Lohn für journalistische Arbeit. Jetzt auch Online.‘  – mit diesem Slogan wirbt das Münchner Start-Up auf seiner Website, das es dem Nutzer möglich machen will, digitale Inhalte im Internet so einfach wie möglich zu kaufen und zu verkaufen. Können sie dieses Ziel erreichen? Eine zufriedenstellende Bilanz nach vierwöchigem Test des WordPress-Plugins von LaterPay findet sich auf Gutjahrs Blog.

Damit die Gratis-Kultur im Web 2.0 ein Ende hat, müssen endlich alternative Finanzierungsmodelle ausprobiert und gefördert werden. Crowdfunding und Micropayment-Modelle stellen hierfür gute Anfänge dar. Und wer weiß – eventuell gibt es ja schon in Kürze eine ‚All you can read-Flatrate‘ , Spotify für den Journalismus also. Denn ob es hilft dem Leser, wie die taz online es versucht, lediglich ins Gewissen zu reden und zum freiwilligen Bezahlen aufzufordern, sogenanntem Social Payment, ist fraglich. Das altbewährte Bezahlmodell Werbung kann noch immer funktionieren, wie beispielsweise die Satire-Website Der Postillon erfolgreich zeigt. „Der Umsatz ist extrem schwankend. Fünfstellig im Monat ist er auf jeden Fall.“, teilte Stefan Sichermann, Gründer der Seite, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hierzu mit. Sogar die Bild-Zeitung war schon an einer Zusammenarbeit mit dem selbstständigen Journalisten interessiert, welche er jedoch selbstbewusst ablehnte – er ist finanziell schließlich nicht darauf angewiesen. Unabhängigkeit jedoch garantieren Werbeeinnahmen nicht.

Toi, toi, toi also liebe Krautreporter – ich bin schon gespannt auf euren werbefreien, gut recherchierten, unabhängigen Online-Journalismus!

 

Über Vera Dünninger

Meinen Tag beginne ich am liebsten mit der Seite Drei der SZ. Was gibt es Schöneres, als eine Tasse Milchkaffee und eine gut recherchierte Reportage am Morgen? Ansonsten bin ich politisch überzeugte Leserin der taz und ihres französischen Pendants, der Libération. Ich mag es, wenn der Mensch im Mittelpunkt des Journalismus steht!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 17. Juni 2014 von in Gelesen und getaggt mit , , , , , , , .

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