Munich Media Watch

Uns bewegt, was Medien bewegt.

peinlich, peinlicher, Melanie

Es gibt viele gute Fußballsongs. Der von Melanie, unserer Dschungelkönigin, gehört leider nicht dazu. Im Internet wird ihr Song jetzt regelrecht fertig gemacht. Doch trotz allem: Melanie ist mehr als erfolgreich. Wie macht sie das nur?

Von Andrea Lindner

54, 74, 90, 2006 – wenn ich an dieses Lied denke, habe ich schwarz-rot-gold bemalte Menschen vor mir, die gebannt vor der Leinwand sitzen und mitfiebern. Ich mittendrin. Fällt ein Tor oder gewinnt unser Team sogar, liegen wir uns in den Armen und feiern die ganze Nacht. Und es ist uns egal, mit wem wir feiern, und vor allem, wie die Menschen dabei aussehen. So oder so ähnlich sieht der Fußballabend für viele Leute während der WM sicher aus. Wir freuen uns gemeinsam, wir trauern gemeinsam und wir haben vor allem Spaß. Was uns vereint: Die Leidenschaft zum Fußball und der mögliche Sieg für unser Land.

Sehe ich mir das Video von Melanie zur WM 2014 an, denke ich eher an leicht verblödete Mädels, Brüste und schlechte Musik als an Fußball. Das Lied hat rein gar nichts mit der Begeisterung für Fußball oder der Stimmung zu tun, die bei einem Fußballspiel herrscht.

Dementsprechend negativ sind auch die Kommentare unter ihrem Video auf Youtube und unter dem Facebook-Post von Melanie. Im Netz wird Melanie für ihren Song regelrecht gemobbt – ein richtiger Shitstorm ist losgebrochen. Hämische Kommentare wie: „Der unerträglichste WM-Song aller Zeiten – und das soll schon was heißen.“ Oder: „Mein Gott, es geht nicht noch peinlicher oder? Eine mega Endtäuschung für Deutschland!“ findet man überall oder sogar noch schlimmer.

Auch die Medien nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, sich über die „Sängerin“ lustig zu machen. „Melanie Müllers WM-Song stößt auf wenig Gegenliebe“, heißt es auf focus.de zunächst noch ganz diplomatisch. Bild schreibt jedoch: „Bälle, Bier und Ballermann-Produzent: Fertig ist der Fußball-Hit. Wer braucht schon eine gute Gesangsstimme, wenn er ein ganzes Stadion ‚entertainen‘ kann?“ Auch von der Mittelbayerischen Zeitung muss Melanie Häme einstecken:Doch wir möchten eine Lanze für das blonde Sangeswunder brechen. Denn sicher will Melanie mit ihrem bewusst inhaltsarmen Song nur warnen: ‚Hey Leute, so einfach darf ein Fußball-Song doch nicht gestrickt sein‘. Deshalb sagen wir: Danke, Melanie!“

Die Kritik könnte daher kommen, dass Melanie vermutlich noch nie bei einem Fußballspiel dabei war. Kennt sie überhaupt die Regeln? Es wirkt einfach zu unnatürlich, wie sie da so ins Stadion einläuft oder auf dem Rang mit anderen Fans jubelt. Wenn man ihrem Video Glauben schenken würde, müssten unsere Jungs Models sein, sich für den Platz schick machen und natürlich möglichst knapp bekleidet sein. Nicht zu vergessen: Wenn man sein Shirt hochzieht, hat man laut Melanie gute Chancen ein Tor zu schießen, weil der Torwart abgelenkt ist.

Erfolg trotz Horror-Song

Zu ihrer Verteidigung muss man allerdings festhalten, dass sie neben 55.000 „Dislikes“ immerhin 5.000 „Daumen nach oben“ für ihr Video bekommen hat. Außerdem verteidigt sich das Pornosternchen auf ihrer Facebook-Seite: „Der Titel ist spontan aus Spaß entstanden und sollte von Anfang an kein Meilenstein der Musikgeschichte werden“. Und es gibt sogar treue Fans, die selbst in dieser schweren Zeit zu ihr halten: „Lass dich nicht runder machen, deine wahren Fans wissen was sie von dir haben <3<3 und nehmen dich so wie du bist bleib so wie du bist und verstelle dich für keinen auf dieser Welt.“

Und eines muss man der Blondine sowieso lassen: Erfolg hat sie trotzdem. Wieder bewahrheitet sich also die alte Weisheit „Es gibt keine schlechte Presse“. Denn trotz niederschmetternder Kritiken befindet sich der WM-Song von Melanie Müller auf dem besten Weg zum Kult-Hit: Das Video wurde bereits über 2,5 Millionen mal angeklickt.

Na dann, auf unsere Jungs. Das erste Spiel haben sie ja bereits erfolgreich gemeistert.

Über Andrea Lindner

Andrea (22) studiert an der LMU München Psychologie und Kommunikationswissenschaft. Neben dem Studium arbeitet sie u.a. für die SZ oder focus.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 17. Juni 2014 von in Aufgefallen und getaggt mit , , , , , , , , .

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