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Ben Becker blamiert sich: „Nichts ist für die Ewigkeit!“

Da hat der Schauspieler Ben Becker wohl etwas falsch verstanden. Er sollte lediglich die Bösen Onkelz bei einem Konzert ansagen. Doch was machte er? Er blamierte nicht nur sich, sondern auch die Band und die ganze Veranstaltung. Die Presse zerfetzte ihn daraufhin.

Von Andrea Lindner

Am Wochenende wollten die Böhsen Onkelz auf dem Hockenheimring ihr großes Comeback feiern. Über 200.000 Fans aus der ganzen Welt sind dafür extra angereist – die Erwartungen waren groß. Also hatten die Musiker sich etwas ganz besonderes ausgedacht und holten sich einen prominenten Schauspieler auf die Bühne, der sie würdevoll ankündigen sollte: Ben Becker. So ein erfahrener Schauspieler wird die große Bühne schon rocken und das Publikum heiß machen, dachten sich die Musiker wahrscheinlich. Durch Erfahrungen beim Tatort und viele weitere Rollen sollte er genug Gespür mitbringen.

Doch was Ben Becker dann auf der Bühne abgeliefert hat, war einfach nur peinlich. Nach Meinung vieler Twitterer und Journalisten jedenfalls. Im Netz taucht immer wieder ein Wort auf: Fremdschämen!

Auf Twitter und Facebook machen sich die Leute regelrecht über Ben Becker lustig.

Und auch die Medien nehmen kein Blatt vor den Mund: n-tv nennt das ganze einen „peinlichen Auftritt“: „Es ist ein billiger Versuch, sich mit kruden Sprüchen und Posen an die anwesenden Fans der Onkelz anzubiedern und sich selbst ein Image als Bad Boy des Rock’n’Roll zu verleihen. Zusammenhanglos mischt der Mime Zitate aus Songs der Böhsen Onkelz mit Bibelstellen. Geradezu keifend schreit er seine Sätze ins Publikum und stolziert dabei mit stolzgeschwellter Brust über die Bühne, breitet seine Arme aus und gefällt sich in der Pose des gekreuzigten Jesus.“

Ganz bei sich war der Schauspieler in diesen Minuten sicherlich nicht. Als würde er nicht wissen, dass sein Mikrofon angeschaltet ist, brüllt Becker wie in Trance in die Menge: „Die werden mich verfluchen, weil ich hier stehe! Denen werde ich sagen: danke für nichts!“ Er droht, befiehlt und lobt sich selbst.

Achtung vor Gruppenzwang im Internet!

Aber bei den ganzen Beleidigungen und Vorwürfen vergessen wir, dass wir alle selbst nicht dabei waren. Es ist lediglich unsere Sicht als Außenstehende. Vielleicht war die Stimmung ja ganz anders? Vielleicht kam Becker richtig gut beim Publikum an? Mittlerweile  findet man nämlich auch ein viele positive Kommentare im Netz. Zum Beispiel von Rebekka, die selbst auf dem Konzert war, und alles ganz anders sieht:

„Peinlich?Ich war am Samstag auf dem Konzert und wenn ich mir das Video ansehe, das hier unpassender weise als ‚peinlich‘ beschrieben wird, bekomme ich wieder Gänsehaut. Es war eine perfekte Wahl Ben Becker als ‚Anheizer‘ zu nehmen. Er hat unseren Gefühlen, den Gefühlen der Fans eine Stimme gegeben. Auch sollten die Redakteure der ‚Rolling Stone‘ lernen richtig zu zuhören. Ben Becker sagt ‚Was mich am leben hält ist der Gedanke daran, dass ich nicht alleine bin.‘ Und alleine war an diesem Wochenende keiner von uns. Die Stelle an der es angeblich peinlich wird muss mir bisher entgangen sein.“

Viel wichtiger aber: Warum entstehen solche „Shitstorms“? Warum gehen plötzlich alle auf eine Person los? Klar, auf Twitter postet man schnell mal was unbedacht, oder retweetet einfach kurz. Aber Journalisten sollten nicht sofort auf die Meinung der Internetgemeinde aufspringen. Sie sollten wirklich versuchen, beide Seiten zu Wort kommen zu lassen. Und nicht nur einfach ihre eigene, in diesem Fall, negative Meinung über den Auftritt abgeben. Oder viel schlimmer noch: Sich der Meinung einiger Leute auf Twitter einfach so anschließen.
 

Über Andrea Lindner

Andrea (22) studiert an der LMU München Psychologie und Kommunikationswissenschaft. Neben dem Studium arbeitet sie u.a. für die SZ oder focus.de

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24. Juni 2014 von in Aufgefallen und getaggt mit , , , , .

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