Munich Media Watch

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Wir haben doch alle Lust aufs Land – oder?

Rote Zahlen sind auf dem Zeitschriftenmarkt gang und gäbe. Doch nicht überall: Die Landlust ist seit ihrem Start vor fast zehn Jahren saftig Grün, sowohl was Mediadaten als auch Inhalte angeht. Was die „schönen Seiten des Landlebens“ zum Quotenwunder macht. Ein Selbstversuch.

Von Lisa Hasenbein

landlust1Landlust-Leser leben im ländlichen Umfeld oder stadtnah im Grünen. Landlust-Leser fühlen sich Zuhause wohl und leben als Naturfreunde im Einklang mit der Natur und sich selbst. 78 Prozent der Landlust-Leser besitzen einen Garten, fast die Hälfte der Leser ist zwischen 40 und 59 Jahren alt. Und dieses Publikum schafft es, eine Zeitschrift gegen den sinkenden Trend der Branche schwimmen zu lassen?

Zugegeben, ich entspreche nicht wirklich der Hauptleserschaft, wie sie die Landlust selbst charakterisiert. Trotzdem: Ich möchte wissen, was diese Zeitschrift ausmacht und unzählige Leser so begeistert, dass sie alle zwei Monate nicht weniger als vier Euro für die druckfrische Ausgabe auf den Tisch legen.

Mit der neuen Landlust setze ich mich in den Park. Wie gesagt, ich bin nicht der klassische Leser und gehöre zur schwachen zwölf-Prozent-Minderheit ohne Garten. Nichtsdestotrotz spüre ich das Gras zwischen den Zehen, während ich mich den „schönen Seiten des Landlebens“ – so der Untertitel – widme. Ich finde mich wieder „zwischen Majoran und Dill“, der neuesten Idee der Tischdekoration. Es geht weiter mit „Gieskannenkunde“ (kein Scherz!) und ich muss an einen Artikel in der WELT denken, die der Landlust „mit der Heckenschere gestutzte Sprache“ fern von „rhetorischen Blüten“ zusprach. So kann man es auch sagen.

Aber –  ja, es folgt definitiv, das große Aber – während ich da in der Sonne sitze und weiter blättere, wird mir bewusst: Genau das braucht die Zeitschrift gar nicht. Die Lust am Land kommt ganz ohne große Gesellschaftskritik und weltbewegende Themen aus. Im Gegenteil. Das haben die zahlreichen anderen Tratsch- und Klatsch- und Lifestyle-Zeitschriften mit sinkenden Verkaufszahlen ja auch nicht, mag man jetzt denken. Tatsache. Die Landlust wendet sich aber auch gegen all jene Modelle. landlust2Das Hochglanzmagazin ist so etwas wie eine Welt für sich, ein Stückchen Eskapismus. Hochwertige Bilder, erstklassiges Layout und liebevoll aufbereitete Themen als Gegenpol zu schnellen, hektischen und minütlich aktualisierten Nachrichten und Live-Tickern.

Laut aktueller Zahlen der IVW ist die Zeitschrift zwar mittlerweile „an den Grenzen ihres Wachstums angekommen“, doch zählt sie nach wie vor zweifellos zu den Überfliegern der Branche. Krise des Zeitschriftenmarktes? Die ist bei der Landlust noch lange nicht angekommen. Die ZEIT mutmaßte einst: „Der Erfolg des Blattes liegt schließlich darin, dass man, wenn alle anderen sich aufregen, einfach die Ruhe weghat.“ – Vermutlich hat sie damit noch immer Recht.

Die Landlust trifft mit ihrem Do-it-Yourself-Trend und der Rückbesinnung auf das Ursprüngliche einen Nerv der Zeit. Und ich ertappe mich dabei, wie ich mich länger als geplant in der Rubrik „In der Küche“  mit „köstlichen Kaltgetränken aus frischen Früchten für das nächste Sommerfest“ aufhalte.

Über Lisa Hasenbein

Studentin, Medienfutzine und Psychologin von morgen. Auch bekannt als Weltenbummlerin und Geschichtensammlerin. Überzeugt davon, dass jede Frage eine Antwort verdient und es von guten Geschichten nie genug gibt. Das Leben ist ein Buch – lies es, schreib es – jeden Augenblick aufs Neue.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30. Juni 2014 von in Gelesen und getaggt mit , , , , , .

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