Munich Media Watch

Uns bewegt, was Medien bewegt.

Die sonntaz-Frage

Die Massenmedien haben in einer demokratischen Gesellschaft bestimmte Funktionen zu erfüllen. Unter anderem sollen sie Öffentlichkeit herstellen, sprich politisch und gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen und divergierende Sichtweisen zu Wort kommen lassen. Diese Artikulationsfunktion erfüllt die sonntaz-Frage.

Von Vera Dünninger

Leider findet man in deutschen Qualitätszeitungen immer seltener politische Debatten, in denen auch Minderheiten und persönlich Betroffenen die Chance gegeben wird, sich öffentlich zu artikulieren. Doch spiegelt sich in der Regel genau in den Ansichten der ‚kleinen Bürger‘ die Meinung der breiten Masse zu einem Thema wieder, nicht in denen der Journalisten, Experten, Politiker. Journalisten beispielsweise unterscheiden sich nicht nur im Hinblick auf ihren soziodemografischen Hintergrund vom ‚Durchschnittsbürger‘, sondern auch bei politischen Überzeugungen und Einstellungen.

taz.am wochenende

Die tageszeitung aus Berlin erfüllt die politische Medienfunktion meiner Meinung nach als eine der wenigen Ausnahmen. Jede Woche aufs Neue stellt die taz.am wochenende eine Frage (schon ab dienstags online), die das eine oder andere Mal auch zum sonntaz-Streit ausufern kann. Dies kann man nicht nur den verschiedenen Stellungnahmen entnehmen, die in der taz zum Sonnabend/Sonntag abgedruckt werden. Auch der gemeinsame Sonntags-Brunch mit Familie und Freunden kann ungemütlich werden, sobald zu debattieren begonnen wird. Die Redakteure fordern neben Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, ihre Leser dazu auf, öffentlich Stellung zu beziehen – egal ob es sich um weniger weltbewegende Themen handelt (21./22. Juni: ‚Nordsee oder Ostsee?‚ Schreiben sie uns eine Liebeserklärung!) oder um politisch hoch Brisantes, wie die Debatte der letzten Wochenend-Ausgabe: ‚Wer hat Angst vor Isis?‚ (Was meinen Sie: Soll der Westen im Irak eingreifen, um Isis aufzuhalten? Braucht Deutschland gar eine Interventionsarmee? Oder geht es bei den amerikanischen Forderungen nur darum, den Irak weiter zu kontrollieren?Eine interessante Leser-Antwort wird schließlich ausgewählt und abgedruckt. Einzige Vorgabe der Redaktion: Der Kommentar sollte etwa 900 Zeichen umfassen und mit Namen, Alter, einem Foto und der E-Mail-Adresse der Autorin oder des Autors versehen sein. Wer online seinen Kommentar hinterlassen möchte, braucht sich nur zu registrieren und an die Netiquette der taz.kommune zu halten.
Also – ran an die Tasten und die eigene Meinung kundtun!

Anmerkung:
Dass der Leser der tageszeitung, bei dem genossenschaftlich finanzierten Blatt, im ‚Mittelpunkt des Journalismus‘ steht und eine ganz besondere Rolle einnimmt, ist noch an anderen Projekten erkennbar, zum Beispiel der Verleihung des taz Panter Preises, welcher mit 5.000 Euro dotiert ist. Dieser wird an Menschen verliehen, die gegen politische und gesellschaftliche Missstände aktiv sind und sich für andere stark machen.

 

 

Über Vera Dünninger

Meinen Tag beginne ich am liebsten mit der Seite Drei der SZ. Was gibt es Schöneres, als eine Tasse Milchkaffee und eine gut recherchierte Reportage am Morgen? Ansonsten bin ich politisch überzeugte Leserin der taz und ihres französischen Pendants, der Libération. Ich mag es, wenn der Mensch im Mittelpunkt des Journalismus steht!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: