Munich Media Watch

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Fernsehen 7.1

Auch wenn Stefan Niggemeier poltert: ARD und ZDF haben in Brasilien den Pokal gewonnen.

Von Michael Meyen

Größer kann die Bühne nicht sein. Fußball-WM. Hier zählt es, auch für das Fernsehen. Schon immer. Egal ob Technik oder Personal: das Allerbeste, das Allerneueste, das Allerteuerste. Fußball-WM ist die Messe des Fernsehens. Natürlich kann man bei so einer Messe schimpfen. Fehlerchen beim Umschalten, wenn zwei Spiele parallel laufen. Spaßmacher und Belanglosigkeiten statt Journalismus. Nachrichten in der Halbzeitpause, bei denen Kriege wie ein Halbfinale daherkommen. Und überhaupt: Nachrichten in der Halbzeitpause. Das Dilemma des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Aber sonst? Jenseits des Berufs-Meckertums? Sonst war das großartig. Magazinjournalismus vom Feinsten. Das Fernsehen der Zukunft. Rasant, technisch auf höchstem Niveau und personell sowieso. Opdenhövel und Scholl, Welke und Kahn, Bommes und Zeigler. Schlagfertig, witzig, mit einem unglaublichen Fundus an Bonmots, Anekdoten, Bildern. Man nehme nur die anderthalb Stunden vor Argentinien gegen Holland. Rückblick auf das 7:1, natürlich. Zwei Berichte von Bernd Schmelzer, das muss man verkraften. Rüber ins Mannschaftsquartier. Erst Delling allein, dann mit Oliver Bierhoff. Giovanni Elber bei Opdenhövel und Scholl. Der WM-Club in Berlin. Hitzlsperger ist da und Jan Böhmermann. Dann Vorschau. Teamporträts. Uralte Rivalität. Noch einmal die WM 1978. Spieler in blutverschmierten Trikots. Zeitzeugenschnipsel wie bei Guido Knop. Und immer ein lockerer Spruch. Schade, dass das Spiel dann doch irgendwann losging.

Das Erste hat an diesem Abend außerdem gezeigt, was das Internet aus dem Fernsehen machen kann. Selbst wenn man sich die besten Journalisten, Moderatoren, Experten leisten kann: Gegen die Kreativität der Massen ist das alles nichts. Das Fernsehen kann filmen, wie Trainer Sabella rückwärts stolpert. Was daraus dann im Netz wird, ist zum Teil grandios. Der Journalist der Zukunft muss sich nicht mehr alles selbst ausdenken. Er muss das nur noch finden und sich dann auch trauen, es zu zeigen. Hoffen wir, dass aus der Messe Fußball-WM möglichst viel Fernsehalltag wird.

Über Michael Meyen

Professor für Kommunikationswissenschaft an der LMU

Ein Kommentar zu “Fernsehen 7.1

  1. JB
    13. Juli 2014

    Die Duos Opdenhövel/Scholl bzw. Welke/Kahn kann man ja durchaus sympatisch/witzig/unterhaltsam finden (oder eben nicht). Was allerdings schon länger ein Trend im Sportjournalismus zu sein scheint und bei dieser WM verstärkt (vor allem im ZDF) in Erscheinung getreten ist: Die Aneinanderreihung von Schlagwörtern in den zugespielten Beiträgen ala “ Rio. Maracana. WM-Finale. Emotionen. Leidenschaft.“ Das ist Twitter-Stil und hat m.E. nicht viel mit ernsthafter Sportberichterstattung zu tun.

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