Munich Media Watch

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Zähes Spiel

Die Nationalelf bei RTL. European Qualifiers heißt das Format. Joachim Löw bekommt einen Espresso, aber an Journalismus fehlt’s im Revier. An Humor auch.

Von Michael Meyen

Florian König ist nicht Oliver Welke ist nicht Matthias Opdenhövel. RTL hat viel investiert in die Senderechte für die EM-Qualifikation. Für ein paar Euro mehr wäre vielleicht auch ein Moderator drin gewesen. Natürlich: Die Latte hängt hoch nach der WM. Für die Spieler genau wie für den Sender. RTL hat Jens Lehmann gekauft, immerhin. Sieht immer noch besser aus als Oliver Kahn und fast so gut wie Mehmet Scholl. Dieser Lehmann könnte auch was erzählen. Nur: Florian König lässt ihn nicht. Zweifel an Rudy und Spitze Götze in der Startelf? Weiter im Programmschema, weiter im Bilderrausch des Privatfernsehens.

rtl2Überhaupt die Bilder. O-Ton-Schnipsel wie in der Chartshow, ein Spieler-Selfie nach dem anderen. So nah dran wie nie, tönt RTL. Kein Wort zur Inszenierung, kein Journalismus, der auch kritisieren soll und kontrollieren und bei allem Jubel ein wenig Abstand braucht. RTL sendet im Vorspann Hochglanz und virtuelle Bilder und Fans, natürlich. Das Porträt der Schotten spielt in einem Pub, und das Duo König/Lehmann braucht kein Studio, sondern wandert durch die Menge ins Stadion, Irritationen inklusive. Erst hört Lehmann vor lauter Krach die Frage nicht, und dann ist er ganz durcheinander. „Ich weiß nicht, ob wir in Celtic oder in Glasgow spielen“, aber spannend werde das Rückspiel auf jeden Fall.

rtl1Vielleicht wird das alles ja noch. Wie jede Viererkette kann sich auch das RTL-Team noch einspielen. Vielleicht schaut sich Florian König einfach an, wie aus dem Buchhalter Gerhard Delling an der Seite von Günter Netzer ein Unterhalter wurde. Lehmann hat Potenzial. In der Espresso-Runde mit dem Bundestrainer kommt die zentrale Frage (Warum hat Gomez nicht gespielt?) vom Experten und nicht vom Journalisten. Vielleicht will RTL das aber alles gar nicht. Vielleicht will RTL nur, dass sich Spieler und Trainer wohlfühlen. Vielleicht gibt es deshalb auch einen Werbeblock mitten im Löw-Gespräch.

 

Über Michael Meyen

Professor für Kommunikationswissenschaft an der LMU

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