Munich Media Watch

Uns bewegt, was Medien bewegt.

Catch the Millionaire

Nachdem RTL sein Rosenspektakel erfolgreich hinter sich gebracht hat, steht schon die nächste hochgradig seriöse Kuppelsendung in den Startlöchern. ProSieben schickt 18 Ladies in das Rennen um den heiß begehrten Millionär – Catch the Millionaire erfreut uns mit einer zweiten Staffel.

von Julia Haas

Wer nach einem langen stressigen Tag nach Hause kommt und es sich vor dem Schlafengehen noch vor dem Fernseher gemütlich macht, will keine zum Hinterfragen anregenden, spannenden oder raffiniert aufgebauten Filme sehen, sondern leichte Unterhaltung, die sich an der fehlenden Scham anderer Menschen erfreut. Das könnte man zumindest annehmen, wenn man das Fernsehprogramm so verfolgt. Dschungelcamp, DSDS, Promi Big Brother.. und ja, wenn man es ehrlich zugibt, sind auch der Bachelor und Catch the Millionaire nichts anderes. Ein Haufen aufmerksamkeitsbedürftiger Menschen zusammengepfercht in einer Villa und jeder hofft insgeheim darauf, dass sich irgendwelche dramatischen Entwicklungen oder menschlichen Totalausfälle ereignen. Denn wie kommen die Produzenten zu ihren freiwilligen, noch unprominenten Schäflein? Sie durchforsten das Internet und die sozialen Netzwerke nach Menschen, die sich dort hervorgehoben präsentieren. Folglich kommen hauptsächlich Leute zusammen, die sich gerne selbst darstellen und natürlich im Falle der Kuppelformate nach der ganz großen Liebe suchen!

Welche Erkenntnisse liefert uns also nun die für den Millionär und seine beiden Mitstreiter erwählte Puppenschar nach der ersten Folge? Alle Charaktere sind bunt gemischt vertreten und erinnern etwas an die erste Staffel. Da gibt es die süße Blondine mit Pony, die sich gleich einen der Männer als Favoriten erwählt hat und eifersüchtig ist, wenn der sich anderweitig umschaut. Die taffe, im Leben stehende Frau, die sich emanzipiert wie sie ist, nimmt was sie will und dafür von den anderen „beneidet“ wird. Außerdem mit von der Partie eine etwas Dusselige, viele Frauen, die kein Blatt vor den Mund nehmen und eine schöne Osteuropäerin, bei der es natürlich herauszufinden gilt, ob sie vielleicht nur ein Gold-Digger ist – Klischee Level 1000%.

Highlight und liebstes Zoom- und Zeitrafferobjekt, das quasselnde „Playmate Lisa“. Bei einem Spontan Date am Abend schmeißt die Dame gleich ihr Bikinioberteil an den Beckenrand, bevor es beim Versuch galant aus dem Pool zu steigen eh runterrutscht. Zur Trauer aller verlässt sie aber am nächsten Tag das Haus, da die übrigen Ladies mehr Kritik wie Lob für ihren Auftritt übrig haben. Bester Kommentar an der Stelle: “Findest du nicht, dass du damit das ganze Niveau runterziehst?“ Ach ja, um das Niveau würde ich mir an der Stelle eher weniger Gedanken machen. Eigenartig, dass so eine polarisierende Kandidatin gleich am ersten Tag gehen darf. Mit ihrer Aussage „meine Silikontitten sind eingefroren“ hat sie sich aber auf jeden Fall ein Denkmal geschaffen.

Um das Ganze abzurunden, ein kleines Resümee zur Auswahl des Cast von einer Freundin, die ich ohne Zögern als Expertin für Red empfehlen würde: “Rein optisch gesehen trifft RTL die bessere Kandidatenauswahl.“ Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, aber im Vergleich gibt es da wohl klare Unterschiede zum Bachelor. Pro7 hat bei seinen Topmodel Staffeln schon genug Zwang natürliche Mädchen zu finden, da können dann beim Millionär endlich mal die Silikonfans rausgekramt werden.

Ob auf lange Sicht das Catch the Millionaire Format so erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Bei der Rausschmeiß-Zeremonie am Ende fehlt einfach noch der Kultfaktor. Germanys Next Topmodel –„Ich habe leider kein Foto für dich“, Der Bachelor und seine Rosen, wer früher noch begeistert MTV geschaut hat, erinnert sich vielleicht an Flavor of Love, bei dem der US-amerikanische Rapper Flavor Flav (gesprochen: Flavooooor Flaaaaav) an seine Herzensdamen, die in die nächste Runde kamen, rießige Uhren vergeben hat, die man sich um den Hals hängen konnte. Die Ladies, die rausflogen, wurden verabschiedet mit: „Girl, your time’s up!“ Das hatte noch was! Bei Catch the Millionaire werden nur fade Ketten verteilt. Zudem haben auch die engagierten Fake-Millionäre keine Chance später am Ballermann durch Rosen verteilen Karriere zu machen. Da sollte ProSieben nochmal ran!

Über Julia Haas

23, Kommunikationswissenschafts-Studentin an der LMU.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 8. September 2014 von in Gesehen und getaggt mit , , , , , , , , .
%d Bloggern gefällt das: