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„heute show“ vs. Bundestag – Spielstand 0:1

Heute Abend blickt alles gespannt auf die heute show im ZDF, wenn der Kampf gegen den Bundestag a.k.a. „Wir müssen draußen bleiben“ in die zweite Runde geht.

Von Antonia Brunet

heute show allgemein

Was bisher geschah: Am vergangenen Freitag ließ Oliver Welke gegen Ende der Satire-Sendung die Bombe platzen: Die heute show erhält keine Drehgenehmigung für den Bundestag. Zitiert wird der Pressesprecher des Bundestages, Dr. Ernst Hebeker, der dem Team um Oliver Welke „keine politisch-parlamentarische Berichterstattung“ vorwirft. Ernsthaft? Da habe ich ja direkt die nächste Schlagzeile des Online Satire-Magazins Postillon vor Augen: „Abstimmung unter den Abgeordneten bestätigt: Pressesprecher des Bundestages weiß nicht, was politische Inhalte sind.“

Reporter Ralf Kabelka versuchte in den nächsten Minuten der Sendung das Unmögliche: Mit Kamerateam im Schlepptau möchte er trotz Verbot ein wenig Bundestagsluft von innen schnuppern, scheitert aber an der eigentlich härtesten Tür Berlins. Sein Argument, die heute show sei „die vierte Gewalt“ und „er kämpfe für die Pressefreiheit“, kann den Pförtner nicht erweichen. Und weder Jürgen Trittin noch die Kanzlerin-Mutti – mitnehmen will oder kann ihn keiner (O-Ton Trittin „Ich bin ja nicht der Hausmeister des Bundestags“). Auch wenn hinterher auf Twitter die Sympathiebekundungen groß sind: Prominente Unterstützung erhält die heute show dort unter anderem von Bernd Riexinger, Vorsitzender der Partei DIE LINKE, vom SPD-Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil sowie vom ZDF-Kollegen Dominik Rzepka vom Hauptstadtstudio. Die Netzgemeinde hat parallel eine Petition zur Erteilung der Drehgenehmigung gestartet – Zahl der Unterstützer bis jetzt: mehr als 7.000.

Was bedeutet das für Deutschland? Willkür statt Pressefreiheit? Bürokratie statt Demokratie? Die Süddeutsche Zeitung hat die Hintergründe genauer unter die Lupe genommen: Das Drehverbot wurde laut Bundestag damit begründet, dass die Produktionsfirma der heute show, Prime Productions, einen Außenreporter auf der Pressetribüne des Bundestages filmen wollte. Laut Beschluss des Ältestenrates ist es allerdings untersagt, die Plenarsitzung nur als Kulisse zu verwenden. Außerdem wurde die Drehgenehmigung für einen Donnerstag angefragt, der zu filmende Tagesordnungspunkt findet jedoch immer mittwochs statt. Klingt schlüssig, aber halt. Böse Zungen behaupten, in besagter Location stehen die Kameras von Phoenix oder N24 immer?!

Für mich klingt das so, als hätte die heute show genug Gründe, um heute Abend das Rückspiel einzuläuten. Also lassen wir uns um 22.30 Uhr überraschen, ob Oliver Welke den Ausgleich erzielt. Denn soviel hat er letzte Woche bereits angekündigt: „Dieser Kampf ist noch nicht zu Ende.“

Über Antonia Brunet

“Lieber Wochen- als Tageszeitung: Ausgiebig und ganz ohne Zeitdruck. Lieber Print- als Onlinemedien: Haptik rockt! Lieber Special Interest Zeitschriften als Sensationen für die Masse: Ich blättere in Dogs, deli & Co. Lieber private als öffentlich-rechtliche Sender: TV mit Unterhaltungswert.”

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24. Oktober 2014 von in Allgemein, Gesehen und getaggt mit , , , , , .
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