Munich Media Watch

Uns bewegt, was Medien bewegt.

Erstes Kraut

Ein Sonntag mit den Krautreportern: viel Lesestoff und Journalismus-Journalismus. Trotzdem ganz schön.

Von Michael Meyen

Kollege Christoph Neuberger hat in der Zeit eigentlich alles zum Start der Krautreporter gesagt: Nichts Genaues weiß man nicht. Vielleicht wird das ein Leuchtturm, vielleicht auch nicht. Fans und Meckerer haben sich noch nicht bewegt. Verständlich so kurz nach dem Start. Die einen jubeln, und die anderen klagen über das Layout und all das, was man sonst so schlecht machen kann. Was bekommt der Leser im Niemandsland der großen Schlachten?

Am Wochenende nach dem Freischalten: 17 Beiträge, davon vier ganz frisch von Freitag. Durch die Bank lange Beiträge, schön bebildert, stark verlinkt, gut geschrieben. Lauter Seite-3-Geschichten. Wenn man so will: genau das, was die Süddeutsche gerade in ihrer neuen Wochenendausgabe zur Stärke von Papier erklärt hat. Vielleicht ist das gar nicht die Stärke von Papier, sondern die Zukunft des Journalismus. Einordnen, den Leser genießen lassen. Die Schlagzeilen kennt er eh schon.

Krautreporter beginnt mit einer Attacke von Stefan Niggemeier. Angriffsziel: das Buch Gekaufte Journalisten von Udo Ulfkotte. Ein echter Niggemeier, ein starkes Stück Journalismus. Das bewegt die Welt der Medien, klar. Nur: Bewegt es auch die Welt? Es gibt noch mehr Journalismus-Journalismus auf der Seite: ein Editorial natürlich, einen Bericht von Rico Grimm über seine Recherchen in der Westsahara, einen (verzichtbaren) Blick in das Medienmenü von Christoph Koch. Die Meckerer können fragen: Für wen schreiben die Krautreporter eigentlich? Für die paar Medienprofis oder auch für alle anderen? Ist das schon die erste Verbeugung vor den Spendern?

Gemach, gemach. Die Fans können auf Andrea Hanna Hünniger verweisen und ihr Stück über die Buchbranche im Amazonzeitalter. Oder auf das Interview mit Roland Jahn zur NSA (Tilo Jung). Klasse Fragen an einen, der an der Stasi gelitten hat und jetzt Mühe hat, die Gegenwart zu erklären. Wer nicht 5 Euro im Monat zahlen möchte, sieht die vielen Leserkommentare nicht. Ob das auf Dauer durchzuhalten ist? Wer wird auf einer Seite kommentieren, auf der er 20.000 Leute erreicht, wenn draußen Facebook, Twitter und Co. rufen? Es bleibt spannend mit den Krautreportern.

 

Über Michael Meyen

Professor für Kommunikationswissenschaft an der LMU

Ein Kommentar zu “Erstes Kraut

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 26. Oktober 2014 von in Gelesen und getaggt mit , , , , , , , .

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