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Frei, Freier, Brigitte

Zukunftsmusik bei der Zeitschrift Brigitte: Mehr Chef, weniger Bindung. Von Stephanie Herkenroth 

Dieses Jahr ist es endlich so weit: Die Frauenzeitschrift Brigitte wird 60! Und das muss gebührend gefeiert werden. So erhielten die Redakteure zum runden Geburtstag ihres Magazins ein ganz besonderes Geschenk. Nein, kein Kuchen oder Schulterklopfen. Viel besser: Entlassungsschreiben für alle. Da steigt die Feierlaune!

Brigitte-EntlassungElf Planstellen, darunter neun festangestellte Redakteure, fielen der Feierei zum Opfer. Betroffen sind die derzeitig 71 Mitarbeiter der drei Printausgaben: Brigitte, Brigitte Woman und Brigitte Mom.

Einem internen Papier der Brigitte Gruppe zufolge sollen die Kündigungen die Frauenzeitschrift „zukunftsfähiger machen“. Klingt logisch. Langjährige Beziehungen können zur Belastungsprobe werden. Da muss schnellstmöglich was Neues her.

Die Kontaktanzeige der betagten Dame(nzeitschrift) könnte lauten:

Suche freiheitsliebende Persönlichkeiten – biete Menschen mit langjähriger Erfahrung. Interesse? Dann melden Sie sich einfach bei einem meiner zahlreichen Vorgesetzten.

Womit wir schon bei weiteren Neuerungen wären. Die neu gewonnenen Stellen werden durch freie Mitarbeiter ersetzt. Für „mehr Vielfalt und Potenzial von außen“ lautet es im internen Brigitte-Schreiben. Doch damit es nicht zu vielfältig wird, beschloss man, eine zweite Führungsebene mit sechs neuen Stellen zu schaffen. Nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Als Inspirationsquelle dient der Jahreszeiten Verlag. Dieser hatte bereits im Jahr 2010 bei Frauenzeitschriften wie Für Sie personelle Umstrukturierungen durchgesetzt. Vier Jahre später folgt nun der Verlag Gruner + Jahr mit entsprechender Nachahmungstat. Bereits im August kündigte der Verlag an, dass innerhalb der nächsten drei Jahre bis zu 400 Stellen in Deutschland gestrichen werden sollen. Dank Brigitte sind es jetzt nur noch 389 ausstehende Kündigungen. Insgesamt sollen 75 Millionen Euro eingespart werden. Der Grund für die Massenarbeitslosigkeit unter den Redakteuren? Tja, der ist (leider) nichts Neues: Negative Marktentwicklungen im Printbereich. Vier Wörter mit vernichtender Bedeutung…

Doch selbst der Hamburger Zeitschriftenverlag bleibt nicht verschont. Seit dem 1. November gehört Gruner + Jahr vollständig zu dem Medienkonzern Bertelsmann. Ob groß oder klein – jeder muss sich der unaufhaltsamen Entwicklung auf dem Zeitschriftenmarkt beugen.

Ob die Zukunft dank der personellen Veränderungen wirklich besser wird, bleibt offen. Die Aktion „Ohne Models“ im Jahr 2010 beispielsweise, fand mit dem Wechsel der Chefredaktion zwei Jahre später ein jähes Ende. Anstatt gewöhnlicher Frauen posieren nun wieder Hungerhaken für Brigitte. Jetzt heißt es wieder: Hallo Minderwertigkeitskomplexe! Dank sei dem Personalaustausch.

Geburtstage soll man feiern, wie sie fallen. So auch das 60. Jubiläum der Frauenzeitschrift. Elf Brigitte-Mitarbeiter werden dieses Jahr wohl nicht gar so enthusiastisch mitsingen, wenn es heißt: Happy Birthday to you, Brigitte.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 8. November 2014 von in Allgemein, Gelesen und getaggt mit , , , , , , , , .
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