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„Ohne Liebe geht es nicht“ – Roland Schindzielorz stellt Radio Arabella vor

Vom Produktmanagement im Bereich Skibrillen zum Radio. Der Geschäftsführer des Münchner Senders erzählt von seinen persönlichen Erfahrungen, von den Besonderheiten Arabellas und warum Veränderung Selbstvertrauen erfordert.

Von Nadine Cibu

Woher stammt eigentlich der Name Arabella?

Von einem der Gründungsgeschäftsführer, Herr Schörgruber. Seine Tochter heißt Arabella und nach ihr wurde der Sender benannt.

Wenn man den Sender nicht kennt, was macht Arabella besonders?

Es ist ein unverwechselbares Programm. Diese Musikmischung gibt es bei keinem anderen Sender. Radio Arabella ist der einzige Sender in Deutschland, nachdem ein Musikformat benannt worden ist – das Radio Arabella Format.


Mia san Nummer 1Der Erfolgssender Münchens…

Naja, unter den Lokalsendern sind wir sogar der Erfolgssender Bayerns. Wir haben jetzt 83.000 Hörer in der Durchschnittsstunde. Es gibt keinen erfolgreicheren.

Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Warum schaltet jemand das Radio ein? Zu 80 oder 90 Prozent wegen der Musik. Die Musik entscheidet: Ja oder Nein, Erfolg oder Misserfolg. Unsere einzigartige Musikmischung ist ausschlaggebend.

Und was ist mit Redaktion und Moderation?

Natürlich ist auch der ganze redaktionelle Bereich entscheidend. Wir versorgen hauptsächlich München und die Region. Der Hörer ist bei uns bestens informiert, was in seiner Heimat passiert. Dazu ist die Ansprache bei uns stets freundlich. Es wird in keiner Form diskreditiert. Der Hörer soll sich bei uns wohlfühlen. Radio Arabella sollte für ihn die zweite sein oder sogar erste.

Welchen Stellenwert hat die Information im Programm?

Der Bezug zu München und zur Region ist sehr, sehr wichtig. Das entscheidet den Wettbewerb. Unsere Mitbewerber sind seit Jahren schon Bayern 1, Bayern 3 und Antenne Bayern.  Bayernweite Sender, nicht speziell für München gemacht.

Versuchen Sie bei Radio Arabella, auch die bayerische Kultur zu vermitteln?

Der Hörer schreibt immer, was draußen passiert. Wir können nur Impulse setzen. Natürlich halten wir gewisse Dinge hoch, wie die bayerische Tradition. Jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt und nicht zu sehr in die Tiefe.

Sollte man versuchen, für meine Generation diese Kultur aufrechtzuerhalten?

Wie alt sind Sie?

22. Ihre Zielgruppe ist ja eher 30+. 

Wir wollen nicht das, was die anderen schon bedienen – die jüngeren Zielgruppen. Man muss sich eine Nische suchen. Da können wir etwas erreichen, diese ist noch nicht so besetzt. Alles, was drunter und drüber ist, nehmen wir gerne mit.

Wikipedia schreibt: „Als Hauptzielgruppe sollen nun die 14-49jährigen angesprochen werden.“ Stimmt das?

Nein, das ist Quatsch. Wir haben uns verändert, aber wir haben nicht das Durchschnittsalter unserer Zielgruppe groß verändert.

Wie haben Sie sich denn verändert?

Der Geschmack unserer Zielgruppe hat sich geändert, und daran hat sich die Musik orientiert. Wir machen jedes Jahr Musik-Researches: Welche Musik-Cluster werden mehr gefragt, vielleicht wird Deutsch wieder mehr gefragt – was bei uns nicht der Fall ist. Diese Cluster sind im Laufe der Jahre jünger geworden, weil der Anspruch oder der Geschmack der Zielgruppen sich entsprechend verlagert hat.

Bleiben wir bei den Zielgruppen: Was macht den perfekten Hörer für Sie aus?

Ein aufgeschlossener Hörer natürlich, der sich auch aktiv am Programm beteiligt – sei es On-Air oder Off-Air. Wenn wir so verfolgen, was am Telefon passiert, wissen wir, dass wir eigentlich in die Familie integriert sind oder die Hörer in der Familie von Radio Arabella.

Sie sprechen von Off-Air, welche Stellung hat das Internet für Arabella?

Internet wird immer wichtiger. Wir bekommen jetzt auch ein neues CMS-System [Anm. d. Red.: Content Management System – Inhaltsverwaltungssystem]. Wir gehen nächsten Monat in den Betrieb, wobei dieses Medium ja anders funktioniert als Radio. Das Radio ist zwar das Hauptmedium, aber das multimediale Arbeiten ist heute da und wird immer mehr kommen.

Eine Herausforderung?

Du musst im Internet viel mehr Interaktion machen. Du entscheidest nicht mehr, was dem User gefällt. Der User sagt, was ihm gefällt, und danach hast du dich zu richten. Da ist Umdenken nötig. Man muss viel mehr spielen oder probieren. Im Internet entscheiden oft Nuancen: Like oder Dislike.

arabellaArabella ist auch auf Facebook aktiv – aber Sie benutzen auch Whats App, richtig?

Ja, da waren wir einer der ersten. Das ist ganz schnell nachgemacht worden. Dafür haben wir von Kollegen nicht nur Lob bekommen, sondern gleich Anfragen: Wie setzt ihr das um?

Wie setzen Sie es denn um? Sie melden ja Blitzer per Whats App.

Es sitzt jemand am Verkehrsplatz und verfolgt das. Alle Eingänge werden sofort registriert. Die Hörer bekommen schnell mit, wenn sie etwas schicken und es nicht umgesetzt wird oder erst nach einigen Stunden. Das findet dann keiner lustig.

Zurück zur Musik: Warum hören wir keine Schlager mehr?

Schlager polarisiert zu sehr. Das ist das Problem. Die Mischung fehlt dann. In unsere Musik-Forschung bringen wir zwar bekannte Schlagertitel ein, aber diese werden von der Zielgruppe nicht gewünscht.

Nicht einmal Helene Fischer?

Helene Fischer testen wir, aber das wollen die Hörer nicht. Das ist nicht der Bringer. Wo immer es funktioniert, bei uns würde es nicht so sein.

Eine Mischung aus Oldies und Hits. Somit eine lange Musikgeschichte. Möchte Arabella den Hörer erziehen?

Nein. Hörererziehung wollen wir nicht machen. Oldies helfen, sich an schöne Momente zu erinnern. Dazu aktuelle Hits: Das scheint gut anzukommen.

Woher wissen Sie das?

Bei den Äußerungen der Hörer kommt immer: Ihr regt nicht auf. Das zeigt auch die Verweildauer. Wir haben die längste Verweildauer unter den Lokalsendern. Man kann uns über lange Zeit hören.

Roland SchindzielorzErzählen Sie ein bisschen von sich: Wie wird man Geschäftsführer von Radio Arabella?

Ich mache seit 25 Jahren Hörfunk. Vorher war ich im Produktmanagement. Skibrillen und technisches Zeichnen. Danach habe ich mich im Verkauf weitergebildet. Beim Radio war ich dann erstmal Verkaufsleiter. Ich habe Privatsender in wirtschaftlichen Angelegenheiten beraten.

Vom Studium der Betriebswirtschaft zum Radio?

Ja. Die Wirtschaftlichkeit steht hier absolut im Vordergrund. Wir beziehen keine öffentlichen Gelder, sondern ernähren uns ausschließlich aus der Werbung. Da gibt es einen harten Kampf um den Kunden.

Wenn Sie nicht beim Radio arbeiten würden, wo dann?

Auf jeden Fall wäre ich im Marketing. Besonders die Sportbranche hat mich inspiriert. Während des Studiums auch die Bekleidungsbranche.

Hören Sie Radio auch privat?

Nein, wenn es richtig privat ist. Sonst ist man zu sehr im Geschäftlichen. Du machst dir Gedanken: Wäre das gut für den Sender? Wieso wurde das so gemacht und nicht so? Ich kann Radio fast nicht entspannt hören.

Nicht mal Arabella?

Naja, wenn ich einschalte, dann schon Arabella, mit dem kann man gut entspannen. Oder B5. Sonst höre ich natürlich aus Interesse und als Beobachter die Konkurrenz. Das muss ich einfach. Das ist aber auch spannend. Man hört auf jedem Sender etwas Inspirierendes.

Gibt es einen Song, den sie gar nicht mögen, aber spielen müssen?

Wenn es nach mir gehen würde, müsste man Chirpy Chirpy Chip Chip [Middle of the Road] nicht spielen. Aber das ist das, was einen Programmleiter ausmacht: Nicht mir muss das Programm gefallen, sondern dem Hörer. Gott sei Dank gefällt es mir.

Was war das beste Ereignis für Sie bei Arabella?

Das waren Musikveranstaltungen in der Olympiahalle mit 12.000 Besuchern. Da bekommst du nicht nur Zahlen, sondern siehst die Besucher.

Was war das Schlimmste?

Oh je. Als ich das erste Mal bei dieser Veranstaltung meine Ansprache halten sollte. Ich war super nervös. Ich hatte vorher noch nie vor so einem großen Publikum gesprochen. Ein Moderator hat mir dann einen guten Tipp gegeben: Schaue nie in die Gruppe, schaue immer in das Licht. Dann siehst du niemanden, keinen Menschen. Und dann: Fang einfach an, fang einfach das Moderieren an.

Arabella feierte dieses Jahr seinen 25. Geburtstag: Was war die größte Veränderung?

Vor 15 Jahren die musikalische Veränderung von Schlager Oldies. Das war sehr gewagt, weil keiner wusste, was passiert. Wären wir damals auf alle Anrufe eingegangen, hätten wir Angst haben müssen.

Aber es ist gut gegangen?

Wir haben uns mit dieser Änderung auf 200 Prozent gesteigert: von 36.000 auf 80.000 Hörer in der Stunde. Da haben wir einfach an uns geglaubt und gesagt, es ist erforderlich. Die Zeit ist reif!

Was steht in Zukunft bei Radio Arabella an?

Wie es mit dem Sender weitergeht, das entscheidet der Hörer. Wir haben im Jahr drei Umfragen, die uns zeigen, wo wir stehen. Wir würden nie etwas tun, ohne den Hörer einzubeziehen. Letztendlich ist das, was wir denken, anerkennenswert – aber ob es richtig ist?

Zum Abschluss: Welche Empfehlung haben Sie für junge Menschen, die beim Radio anfangen möchten?

Ohne Liebe zum Radio geht es nicht. Das ist wie mit jedem anderen Beruf. Du musst zu einem Beruf eine gewisse Liebe entwickeln. Das Drumherum vermitteln wir. Letztendlich entscheidend ist: Ich möchte! Und nicht: Meine Eltern haben gesagt, ich muss.

Über Nadine Cibu

"Von allem ein bisschen - Von einer inspirierenden Reportage, über die kitschige Arztserie, bis hinzu Beiträgen aus verschiedenen Ländern und in verschiedenen Sprachen. Ich lasse mich gerne von Medien und Journalisten überraschen und in ihre Vorstellung von Realität mitnehmen. Entweder - Oder gibt es bei mir nicht: Print oder Online, TV oder Radio - je nach Lust und Laune."

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 3. Dezember 2014 von in Allgemein, Nachgefragt und getaggt mit , , , , , .

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