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Ein hoch auf uns, auf 2014! Lanz und Jauch schauen auf die WM 2014 zurück

Der zweite Advent ist vorbei, das Jahr geht zu Ende und das Fernsehen steht mit den Jahresrückblicken in den Startlöchern. Am Wochenende waren ZDF und RTL die ersten, welche Deutschlands Farben noch einmal aufleben ließen.

Von Nadine Cibu

LanzÖffentlich-Rechtlich vs. Privat: Da können wir zwei unterschiedliche Jahresrückblicke mit verschiedenen Schwerpunkten erwarten, oder? Markus Lanz und Günther Jauch zeigten bei ihrer Themenwahl jedoch deutliche Parallelen. So durfte das Publikum 2014 durch eine rosa ZDF– und RTL-Brille betrachten. Durch eine Vielzahl von Themen, welche jeweils in Kategorien (bspw. „Der Glückspilz des Jahres“) eingeteilt wurden, klapperten die Moderatoren verschiedenste Emotionsauslöser in durchschnittlich 10-Minuten Beiträgen ab.

Vom Hai-Angriff auf ein Taucherboot (ZDF) oder das gekenterte Touristenboot in Indonesien (RTL), über den singenden Priester aus Irland (RTL) sowie die italienische Nonne und Gewinnerin von The Voice of Italy (ZDF). Auch die Comedy-Helden (RTL) und Heldinnen (ZDF) sowie die deutsche Filmlegende Helmut Dietl (ZDF) und das „Sex-Symbol“ und Abräumer Elias M’Barek (RTL) durften nicht fehlen. Analoge Schwerpunkte, verschiedene Persönlichkeiten. Jauch und Lanz ließen Gefühle erneut hochkommen. Wobei RTL mit der dramatischen Begleitmusik und den spannenden Einspielern vor jedem neuen Gast noch einen drauf setzte. Den bitteren Kampf gab es jedoch um die „wer hat die Kulisse besser dem Thema angepasst“ Debatte.

Der Schwerpunkt – wen wundert’s – die Fußball-Weltmeisterschaft und der Sieg unserer Mannschaft in Brasilien. Ich liebe Deutscheland. Ja, waren das einmalige Momente. Gleich zu Beginn überspannte Lanz den Bogen mit einem 30-minütigen Beitrag zur WM und seinen Gästen Götze, Boateng und DFB-Präsident Niersbach. Jauch verteilte unseren Sieg über die gesamte Sendung hinweg, selbstverständlich mit anderen Star-Fußballern: Neuer, Schweinsteiger und Kramer. Bis das Highlight endlich am Ende auftauchte, der Jogi Löw unserer Herzen. Auch musikalisch wurde das Spektakel mit Coldplay (ZDF) und Andreas Bourani (RTL) versüßt.

Selbstverständlich wurden auch sehr ernste Themen, wie Ebola und, ja Ebola, angesprochen. RTL griff noch einige in den Bildern des Jahres auf. Die versteckte Message dahinter: Das Jahr 2014 bestand nicht nur aus Ebola und islamischer Staat. Nein, wir möchten auch die Helden des Alltags noch einmal feiern. Oder: Das möchte unser Publikum nicht sehen, wenn es an 2014 denkt. Die Nachrichten kümmern sich schon drum.

Fassen wir zusammen:

ZDF: 21 Beiträge à 6-10 Minuten, 165 Minuten Sendezeit ohne Pause. Einige Gäste mussten fast durchgeschoben werden – Nikolas Aschoff (Medizinstudent im Kampf gegen Ebola) durfte gleich zwei ganze Sätze sagen. Vielleicht lag es ja an der etwas längeren Sitzung über die WM. Durch die fehlenden Pausen – „Dafür können Sie nichts, Herr Lanz“ – und den schnellen Wechsel fühlte ich mich ein wenig schwindelig. Lanz übernahm deutlich die Sprechrolle bei den kurzen Interviews. Hängen geblieben ist: Wir sind Weltmeister!

jauchRTL: 15 Beiträge à 10 Minuten, 32 Minuten Pause – in diesem Fall: Gott sei Dank! Man muss diese vielen Menschen, Bilder und Emotionen auch kurz verarbeiten dürfen. Dramatische Einspieler und Musik – wobei diese das von Gast zu Gast Gehetze ein wenig auflockerten. Im Vordergrund: Emotionen und Gefühle, denn wir sind ja alle nur Menschen. Jauch ließ auch seine Gäste etwas länger sprechen. Hängen geblieben ist: Wir sind Weltmeister!

Persönlich: RTL und somit Günther Jauch liegen aufgrund der Interviewatmosphäre und dem Wechsel zwischen Gästen und Einspielern (somit dem klassischen Infotainment) bzw. Bildern ein bisschen vor ZDF mit Markus Lanz.

War das nicht ein tolles Jahr? 4 Sterne stehen am rot-schwarz-goldenen Himmel und Krieg sowie Krankheiten sind vergessen. Darum kümmern sich ja auch die Printausgaben. Wobei ich gestehen muss, auch beim tausendsten Einspielen des finalen Tores von Mario Götze mit dem ARD-Kommentator Bartels „Mach ihn! Mach ihn! Er macht ihn!“ musste ich immer wieder grinsen.

Über Nadine Cibu

"Von allem ein bisschen - Von einer inspirierenden Reportage, über die kitschige Arztserie, bis hinzu Beiträgen aus verschiedenen Ländern und in verschiedenen Sprachen. Ich lasse mich gerne von Medien und Journalisten überraschen und in ihre Vorstellung von Realität mitnehmen. Entweder - Oder gibt es bei mir nicht: Print oder Online, TV oder Radio - je nach Lust und Laune."

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 8. Dezember 2014 von in Allgemein, Gesehen und getaggt mit , , , , , , , , .
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