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Auf den Hund gekommen

Der beste Freund des Menschen ganz groß: VOX, Sixx und ZDF kämpfen mit Hundetrainern um Einschaltquoten.

Von Antonia Brunet

6,9 Millionen Deutsche haben einen Hund und die deutsche Heimtierbranche macht Jahr für Jahr mehr Umsatz (Stand 2013: 3,9 Milliarden Euro); klar, dass auch die großen Fernsehsender ein Stück vom Kuchen wollen.

Das ZDF zeigte seinen Zuschauern mit „Der Hundeflüsterin“ Maike Maja Nowak das intellektuelle Rudelführerkonzept – man möchte dem öffentlich-rechtlichen Zuschauer ja etwas bieten. Da ist eine Bild_NowakTrainerin, die selbst Bücher veröffentlicht und in Russland mit einem Hunderudel gelebt hat, genau die richtige Mischung aus Theorie und Wildnis-Charme. Die Zuschauer haben es nicht honoriert, nach zwei Staffeln wurde „Die Hundeflüsterin“ aufgrund von schwachen Quoten abgesetzt.

Der Frauensender Sixx fährt gleich zwei Hundetrainer auf: Da gibt es die britische Ex-Schauspielerin Victoria Stilwell mit „Der Hund oder ich“, die stark an eine Supernanny für Hunde erinnert. Für Quote sorgt zudem der Macho-Mexikaner Cesar Millan mit „Der Hundeflüsterer“ – ein Alphatier wie es im BucheBild_Millan steht. Er arbeitet fast ausschließlich mit Problemfällen und versucht zu zeigen, dass auch sie eine Chance verdienen und nicht abgeschrieben werden müssen. Doch Millan polarisiert gerade in Deutschland stark wegen der von ihm eingesetzten Methoden: Im Internet kursieren mehrere Videos, in denen hierzulande verbotene Stromhalsbänder eingesetzt werden, hier in einem Beitrag von Komo4News. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass Sixx zu Beginn der Sendungen darauf hinweist, die Methoden nicht ohne Fachmann anzuwenden. Auch bezeichnend: Für seine Deutschland-Tour musste Millan die deutsche Hundetrainer-Prüfung absolvieren – und ist prompt durchgefallen. Dennoch, die Amerikaner mögen ihn: Cesar Millans Sendung erhielt bereits zwei Emmy®-Nominierungen.

Für VOX geht „Der Hundeprofi“ Martin Rütter an den Start. Im Gegensatz zum Pitbull Millan wirkt Rütter Bild_Rütter_01eher wie ein naiv-gutmütiger Golden Retriever. In seinen Sendungen arbeitet er meistens mit Hunden, die nur kleine Ticks haben oder unterfordert sind. Erzogen wird eher der Halter: Es wird deutlich, dass Hundeerziehung Arbeit bedeutet und das ein Hundeleben lang. Doch in der aktuellen Staffel arbeitet auch Rütter mit umstrittenen Methoden wie Sprühhalsband oder Wurfkette – werden diese laienhaft von Hundebesitzern eingesetzt, drohen katastrophale Folgen wie lebenslange Traumata oder aggressives Verhalten.

Ist dieses Riesenspektakel denn wirklich notwendig? Bei der Hundetrainerin Clarissa von Reinhardt haben bereits Fernsehsender angefragt. „Die Sender versprechen sich vom harten Durchgreifen der Trainer Quote – und darum wird auch im Voraus gebeten. Ich bin meiner Philosophie treu geblieben und habe gesagt, dass ich den Einsatz von Stachel- und Würgehalsbändern oder Elektroreizgeräten strikt ablehne und stattdessen geduldig ein Vertrauensverhältnis aufbaue, um gesetzte Ziele zu erreichen.“ Ohne Effekthascherei war sie für die Sender jedoch uninteressant. Dass Hundetraining durchaus entspannt und nachhaltig ablaufen kann, sieht man auf ihrem Youtube Kanal: Ihre Videos zu verschiedenen Kommandos und Schwerpunktthemen erzielen bis zu 11.000 Klicks. Von Reinhardt zeigt, dass es keine vermeintlich schnelle Lösung und kein Hundeflüstern gibt – stattdessen ist konsequentes, lebenslanges Hundetraining erforderlich.

In meinen Augen ist es generell gefährlich, Hunde über Fernsehsendungen erziehen zu wollen: Tausende Halter machen die gezeigten Tricks und Methoden nach und experimentieren mit ihren Hunden herum – einschätzen, ob die Korrektur angebracht ist, können die wenigsten. Trotzdem halte ich den Hundesendungen zu Gute: Sie sensibilisieren die Halter dafür, dass ein Hund Erziehung benötigt. Dann aber lieber in einer Hundeschule vor Ort – und nicht im TV Kurs.

Über Antonia Brunet

“Lieber Wochen- als Tageszeitung: Ausgiebig und ganz ohne Zeitdruck. Lieber Print- als Onlinemedien: Haptik rockt! Lieber Special Interest Zeitschriften als Sensationen für die Masse: Ich blättere in Dogs, deli & Co. Lieber private als öffentlich-rechtliche Sender: TV mit Unterhaltungswert.”

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Dezember 2014 von in Allgemein, Gesehen und getaggt mit , , , , , , , , , .
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