Munich Media Watch

Uns bewegt, was Medien bewegt.

Wer macht denn sowas? XTRA – die neue Tageszeitung

Eine GEDRUCKTE Zeitung? Und dann auch noch für junge Menschen? Im 21. Jahrhundert? Da fragen wir uns: Wer macht denn sowas? Und: Wie soll das bitte funktionieren? Wir haben uns die Macher und ihre Idee genauer angeschaut.

Von Andrea Lindner

Aha. Da will uns M. DuMont Schauberg mit ihrer neuen Tageszeitung XTRA in Köln also beweisen, dass sich die jüngere Zielgruppe – also wir – noch für Print begeistern lässt. 24 Seiten hat dieses (nennen wir es) „Experiment“. Und wie jede andere Tageszeitung erscheint sie natürlich täglich.

Die Problemzielgruppe

Aber das Besondere: Sie richtet sich ausschließlich an junge Menschen zwischen 19 und 39. Also genau die Zielgruppe, die von anderen Verlagen gehasst und verflucht wird. Die Problemzielgruppe schlechthin. Da sind ja die super schlauen Intelektuellen noch leichter zufrieden zu stellen. Junge Menschen lesen doch keine Zeitung mehr! Schon gar keine gedruckte Tageszeitung – denken viele.

Nicht aber Carsten Fiedler und seine Truppe aus Köln. Er ist überzeugt: Junge Menschen lassen andere Tageszeitungen nicht etwa links liegen, weil sie keine Lust auf Zeitungen im Allgemeinen haben. Nein. Sie interessieren sich schlichtweg nicht für die langweiligen Themen in den Standard-Blättern. „Daher machen wir mit XTRA ein sehr spezielles, zielgruppenspezifisches Angebot“, sagt Fiedler dem Medienmagazin journalist.

Screenshot Xtra 3

Und wie sieht dieses Angebot genau aus? Schlägt man die Zeitung auf, geht es zunächst um Lokales. Dann folgen Ausgehtipps und Veranstaltungshinweise. Weiter geht es mit den Themen Sport und Service, den Deutschland- und den Worldnews. Und nicht zu vergessen: Der Gossip auf der letzten Seite.

Eine ganz besondere Zeitung

Aber nicht nur die Themen und die Zielgruppe sind speziell. Auch das ganze Format: Die Zeitung wirkt eher wie ein Magazin. Große Fotos, kurze Texte – einfach sehr bunt und großzügig im Layout. Bis jetzt scheint sie ganz gut angenommen zu werden. Die Facebook-Seite hat viele aktive Fans und auch auf Twitter und Instagram geht es rund. Die Redaktion hat anscheinend verstanden, wie sie die jungen Menschen erreichen und begeistern kann: Witzige Posts, interessante Videos und eine aktuelle Tageszeitung mit relevanten Informationen für die Zielgruppe. Fiedler ist bis jetzt sehr zufrieden mit dem Start der Zeitung. Er spricht von 15.000 „Produktkontakten“ täglich.

Screenshot XTRA 1

Wie geht es weiter?

Bis jetzt wird die Zeitung hauptsächlich kostenlos verteilt, um die Bekanntheit zu steigern und Interesse zu wecken. Im regulären Verkauf kostet sie 50 Cent. XTRA soll sich jedoch hauptsächlich über Anzeigen finanzieren.

Auch wenn es bis jetzt ganz gut aussieht, müssen die Redaktion und ihr Chef viel Kritik und Häme einstecken. Die taz behauptet, die Zeitung sei inhaltsleer. Viele in der Branche sind skeptisch. Und klar, schaut man sich frühere „Experimente“ an, kann man den Pessimismus verstehen: Tageszeitungen für junge Menschen sind einfach schon zu oft gescheitert. Zum Beispiel 20 Cent in Saarbrücken oder News in Frankfurt. Nichts desto trotz wünschen wir XTRA viel Erfolg und den jungen Kölnern viel Spaß beim Lesen.

Hier könnt ihr euch die letzten Ausgaben runterladen. Anschauen und lesen lohnt sich auf jeden Fall.

Über Andrea Lindner

Andrea (22) studiert an der LMU München Psychologie und Kommunikationswissenschaft. Neben dem Studium arbeitet sie u.a. für die SZ oder focus.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. Januar 2015 von in Allgemein, Aufgefallen und getaggt mit , , , , , .
%d Bloggern gefällt das: