Munich Media Watch

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Ich bin kein Star, schenkt mir Aufmerksamkeit!

Die 9. Staffel des Dschungel Camps hat begonnen. Aber wer sind diese Teilnehmer eigentlich?

Von Nadine Cibu

Das neue Jahr ist angebrochen und da darf natürlich eins nicht fehlen: Die Krönung eines neuen Dschungel-Königs oder einer Dschungel-Königin. Doch diese Staffel muss man sich wirklich fragen, sind das noch Stars? Blickt man auf die vorherigen Ausgaben zurück, hat der Prominenten-Faktor mit jedem Jahr weiter abgenommen. Unter den starsTeilnehmern bei der Premiere 2004 waren noch Sternchen wie Schlagersänger Costa Cordalis oder die Moderatorin Caroline Beil, sowie zur Halbzeit 2009 die Schauspielerin Ingrid van Bergen oder Musikproduzenten-Tochter Julia Siegel vertreten. Die letzten beiden Staffeln haben sich durch die deutliche Überzahl der No-Names oder auch „Allrounder-Talente“ ausgezeichnet. Und 2015 war wohl nicht mehr viel übrig – oder RTL konnte einfach niemanden mehr finden, der sich für Geld Maden schmecken lässt.

Die Ursachen sind leicht zu erkennen: Der Promi-Faktor jeder neuen Sendung hat mit der gleichen Anzahl abgenommen, in der Casting-Shows – sei es Talent, Aussehen oder gar nur Partnersuche – zugenommen haben. Das Dschungel-Camp scheint wie ein großer Mülleimer für gescheiterte Casting-Show-Teilnehmer, deren Durchbruch nicht so ganz klappen wollte. Was solls, gehen wir in den Dschungel. Der hat wenigstens Einschaltquoten zwischen durchschnittlichen 5 – 8 Millionen Zuschauern. In der Debut-Sendung 2015 sogar 7,5. Einer wird mich schon (wieder) entdecken. Der große Vorteil: Talent muss man nicht zeigen, es reicht viel zu weinen, zu streiten oder mit der Sprache – sei es Deutsch „Ich muss kacken, trau mich aber nicht“ oder Englisch „When I do this not, I’m losers“ – zu glänzen. Zitat von Sara Kulka, ehrwürdige Nachfolgerin von Sarah Knappig aus Staffel 5 „My air was away“, sowie Germanys Next Topmodel Ex-Kandidatin.

dschungelcampWarum wird diese Sendung überhaupt eingeschaltet? Eine brennende Frage, keine klare Antwort. Anfänglich lag es womöglich an den ekelerregenden Dschungel-Prüfungen, welche auch zu einer regen Belustigung beitrugen. Mittlerweile gibt es aber genügend Sendungen, die deutlich härtere Mutproben verlangen. Da wirkt das Kuscheln mit Kakerlaken fast harmlos. Prominent sind die „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“-Kandidaten lange nicht mehr. Zu Beginn waren es zumindest Top-10 DSDS-Kandidaten, heute haben sie es lediglich in die zweite Runde geschafft. Vielleicht liegt es an dem Urwald-Big-Brother-Feeling: Menschen zu beobachten, sie an ihre Grenzen stoßen sehen und deren Rückentwicklung zu verfolgen. „Wir sind alle Primaten und natürlich wird da gekämpft“ (Walter Freiwald, Moderator?). Ein dritter Ansatzpunkt wäre die Aufmerksamkeit. Wenn sämtliche Medien bereits vor Beginn über das Camp ausführlich berichten und anschließend die Berichterstattung nicht abnimmt, erweckt das den Eindruck, diese Sendung muss man zumindest zum Mitreden über Hashtags wie #Herrentitte gesehen haben.

Bei mir persönlich ist es wohl die Moderation. Dirk Bach sowie sein einigermaßenDunschelCamp würdiger Nachfolger Daniel Hartwich und Sonja Zietlow lästern unentwegt über die Kandidaten und machen mit ihren sarkastischen Kommentaren die Sendung aus. „Ich glaube, man braucht sich nur danebenzusetzen und da ist man schon schwanger“ (Zietlow über Ex-Bachelorette Kandidat Aurelio Savina).  Auch die beiden sind sich über den 0-Prominenten-Status dieser Staffel bewusst: „Die Jessica Siemoneit-Barum kannte ich tatsächlich nicht. Äh Tanja!“. Moderatoren, die sich locker leicht über die eigene Sendung und die Kandidaten lustig machen, sind ein Pendant zu den Null-Niveau-Konkurrenten.

„Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ sollte vielleicht nächstes Jahr umbenannt werden in „Ich bin kein Star, schenkt mir Aufmerksamkeit“.

Zum Abschluss noch ein kurzer Überblick über die Berufs-Kategorien der Teilnehmer über alle Staffeln verteilt: Sänger (Self-made), DSDS/Popstars, Moderator, Schauspieler, Sportler, Kinder von Prominenten, Playmates/Nackige, Allrounder/Talentlose.

nacktGewinner: Die Allrounder oder auch Talentfreien. Sie führten ein Kopf an Kopf rennen mit den Nackigen/Playmates (gleich zwei haben sich vor dieser Staffel ausgezogen).

 

 

 

 

Über Nadine Cibu

"Von allem ein bisschen - Von einer inspirierenden Reportage, über die kitschige Arztserie, bis hinzu Beiträgen aus verschiedenen Ländern und in verschiedenen Sprachen. Ich lasse mich gerne von Medien und Journalisten überraschen und in ihre Vorstellung von Realität mitnehmen. Entweder - Oder gibt es bei mir nicht: Print oder Online, TV oder Radio - je nach Lust und Laune."

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 18. Januar 2015 von in Allgemein, Gesehen und getaggt mit , , , , , , , , .

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