Munich Media Watch

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The Big Bang

Die ehemals uncoolen Kinder vom Pausenhof werden zu den Trendsettern von Morgen und bleiben sich selbst trotzdem treu.

Von Melissa Raupach

Dass eine Serie, in der es um nerdige Naturwissenschaftler geht, die Herzen und Hirne des Mainstream-Publikums erreicht, hätte wohl eigentlich niemand für möglich gehalten. Doch „The Big Bang Theory“ hat in der Fernsehlandschaft eingeschlagen wie ein von seiner keplerschen Umlaufbahn abgekommener Asteroid.

Dabei ist die Story der Sendung recht simpel: Zwei Physik-Nerds leben zusammen in einer WG. Ihre Freunde sind ebenfalls Nerds: Science Fiction, Comics und Videospiele stellen die Lieblingsthemen und Beschäftigungen dar. Ihre neue Nachbarin Penny ist ein „normales“ US-Girl. Sie freundet sich mit den Jungs an. Mit der Zeit bekommt die Gruppe weiteren weiblichen Zuwachs, es bilden sich Pärchen.

Das klingt vermutlich alles erst mal ziemlich nach Stereotypen: Die komischen Physiker, die zwar im naturwissenschaftlichen Bereich hochbegabt, dafür aber sozial völlig inkompetent sind. Penny dagegen, das Landei aus Nebraska, wirkt zwar nicht gerade als überdurchschnittlich intelligent, hat dafür aber einen „gesunden Menschenverstand“. Es wäre jedoch voreilig, nicht einen genaueren Blick auf die Charaktere zu werfen. Denn wie bei jeder guten Sendung, kann der Zuschauer auch bei The Big Bang Theory die Entwicklung der einzelnen Figuren miterleben. Das Parade-Beispiel hierfür ist Dr. Dr. Sheldon Lee Cooper:

SheldonSheldon hat einen IQ von 187 und ist theoretischer Physiker am California Institute of Technology (Caltech). Sarkasmus und Ironie sind ihm zu Beginn völlig fremd, enge Beziehungen zu Menschen, sowie unerwartetes Abweichen von seinem Alltag regen ihn auf. Illustriert wird das zum Beispiel dadurch, dass er immer auf dem gleichen Platz auf seinem Sofa sitzen muss (das ist zwanghaft, er kann wirklich nicht woanders sitzen). Trotzdem entwickelt sich Sheldon über die Staffeln hinweg. In manchen Situationen reagiert er empathisch und auch sein Verständnis für Sarkasmus wird besser. Aber vor allem eine Beziehung zu einer Frau (einer echten, die lebt und auch mit ihm zusammen sein möchte!) hätte ihm in Staffel 1 noch niemand zugetraut. Klar sind die Charaktere überzeichnet, aber das dürfen sie in einer Serie schon sein.

Das Überraschende ist vielleicht, dass The Big Bang Theory einen Beitrag dazu geleistet hat, dass besonders Naturwissenschaften bei jüngeren Leuten ein cooleres Image bekommen. In Großbritannien ist die Zahl der Physikstudenten im Jahr 2010 um 17% gestiegen und auch bei der Wahl der Leistungskurse schneidet Physik immer besser ab, auch unter Mädchen (the guardian). Auch die Annahme, dass Fernsehen dumm macht, trifft wohl nicht auf The Big Bang Theory zu. In der aktuellen Zeit Campus erzählen Wissenschaftler, was sie an ihrer Lieblingsserie so fasziniert, auch fachlich (ZEIT).

Dass Wissen und Humor keinesfalls einen Widerspruch darstellen, zeigt die Serie von Chuck Lorre. Die Eigenarten der Figuren geben diesen Mix aus Intelligenz und Witz einfach her, auch für Nicht-Naturwissenschaftler. Voraussichtlich werden uns die kultigen Nerds noch bis 2017 erhalten bleiben. Jetzt laufen aber erst mal die neuen Folgen der 8. Staffel auf ProSieben. Also zieht die Bus-Hose aus, ab aufs Sofa (jeder natürlich auf seinen angestammten Platz), Fernseher an und los geht’s mit der informativen Unterhaltung.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 19. Januar 2015 von in Allgemein, Gesehen und getaggt mit , , , , , , , .

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