Munich Media Watch

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#Beckmann – Islamischer Staat hautnah

Dürfen Reporter weinen? Und wie stark sollen diese in den Vordergrund treten? Bei Reinhold Beckmann wird der Zuschauer auf eine emotionale Reise in den Nordirak mitgenommen.

Von Nadine Cibu

Der Islamische Staat ist aufgrund der derzeitigen Entwicklungen ein anhaltend aktuelles Thema in den Medien. In den Nachrichten, Printausgaben oder Kurzdokumentationen sowie Talkshows werden fast täglich Entwicklungen, Hintergründe und Informationen aufgearbeitet. Der Fokus liegt deutlich auf der zunehmenden Bedrohung ausgehend von der Terror-Organisation und möglichen Gegenmaßnahmen, wobei sich Entscheidungsträger uneinig sind. Ausführlich wird über Opfer und Flüchtlinge berichtet, welche unter dem anhaltenden Krieg weit ausgedehnt über Irak und Syrien leiden.

beckmannDoch wer sind die Menschen, welche in ihrem Land durchgehend vor dem IS auf der Flucht sind und versuchen mit den gegebenen Bedingungen zu überleben? Die neue Reportagereihe von Reinhold Beckmann (#Beckmann, Das Erste) gab ihnen vergangenen Montag ein Gesicht. Beckmann nimmt den Zuschauer mit in den Norden Iraks, wo jesidische Bürger, verfolgt vom IS, täglich um ihr Überleben kämpfen. Betont wird dabei, dass der Kampf gegen die Terror-Organisation auch uns Deutsche betrifft. Begleitet werden Deutsch-Jesiden, die in den Krieg für ihr Volk einziehen. Vom Jurastudenten zum Soldat innerhalb von 48 Stunden.

Zu Beginn der Reise entstand der Eindruck, dass sich Beckmann als Reporter leicht in den Vordergrund spielt. Beim Interviewen deutscher Kinder, welche Sachspenden mit in das Kriegsgebiet schicken, ist er kontinuierlich an deren Seite – vor der Kamera. Doch dieser Eindruck wird schnell aufgehoben als Bilder vor Ort ausgestrahlt werden. Waffen, Berufskämpfer ohne Erfahrung und katastrophale Lebensbedingungen. Der Höhepunkt ist spätestens bei dem Besuch verlassener Rohbauten in der Region Zakho, welche von vertriebenen Jesiden bewohnt werden, erreicht.

„Schlimmer, als man es sich vorgestellt hatte“


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Familien vor dem nichts. Fehlende Kleidung, Essen oder medizinische Versorgung. Als zwei junge Jesiden interviewt werden sollten, kommen mir die ersten Tränen – auch ohne die emotionalen Hintergrundinformationen von Beckmann. Traumatisiert von der Flucht und den Verlust ihrer Familie finden beide keine Worte. Ich bin aber mit meinen Emotionen nicht alleine. Auch bei Beckmann und seiner Begleiterin, eine deutsche Jesidin, rollen die Tränen bei dem Anblick der lebensunwürdigen Zustände und den Berichten über Vergewaltigung und Tod.

Darf ein Reporter in solch einer Situation vor der Kamera weinen und die Distanz verlieren? Ich bin für ein deutliches ja! Denn wer die Bilder gesehen hat, kann sich nur annähernd die Situation vor Ort vorstellen. Reportagen, die unter die Haut gehen und einen anderen Blickwinkel bieten, das hat #Beckmann erreicht und rechtfertigen an dieser Stelle seine Emotionen. Die Folgen des Krieges und der Kampf um das Überleben haben Gesichter bekommen und wurden in die deutschen Wohnzimmer geholt. Wer hätte gedacht, dass Beckmann nach dem Ende seiner Fernsehdiskussion vergangenen Jahres als Reporter – emotional und sachlich – zurückkehrt.

Über Nadine Cibu

"Von allem ein bisschen - Von einer inspirierenden Reportage, über die kitschige Arztserie, bis hinzu Beiträgen aus verschiedenen Ländern und in verschiedenen Sprachen. Ich lasse mich gerne von Medien und Journalisten überraschen und in ihre Vorstellung von Realität mitnehmen. Entweder - Oder gibt es bei mir nicht: Print oder Online, TV oder Radio - je nach Lust und Laune."

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 27. Februar 2015 von in Allgemein, Gesehen und getaggt mit , , , , , , .
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