Munich Media Watch

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Medienethik: Eine Aufgabe für alle

Übertriebene Skandalberichterstattung, voreilige Spekulationen: Das Vertrauen der Deutschen in den Journalismus sinkt. Ein Professor für Medienethik setzt sich auf ARD-Alpha mit diesem Thema auseinander – eine Sendereihe nicht nur für Medienprofis.

von Julia Anton

Was denken die Deutschen über Journalismus? Befragte in der Münchner Neuhauser Straße klagen über „zu einseitige Berichterstattung“, „zu schlecht oder zu wenig recherchierten Journalismus“ und „Themen, die immer und immer wiederholt werden“. Immer häufiger rufen moralische Fehltritte von Politikern und Prominenten, wie Horst Köhler und Uli Hoeneß, eine aggressive Berichterstattung zu Tage, die einen objektiven Journalismus missen lässt.

In der sechsteiligen Reihe „Medienethik“ befasst sich ARD-Alpha deshalb mit entscheidenden Fragen der heutigen Medien- und Internet-Gesellschaft. Was können wir vom Journalismus erwarten? Was sollen wir vom Journalismus erwarten?

Prof. Alexander Filipović von der Deutschen Hochschule für Philosophie beantwortet diese Fragen in den jeweils 15-minütigen Folgen. Er führt den Zuschauer in der ersten Sendung an Kant heran, bespricht die Medienhetze auf den ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler und die Bedeutung des Spiegelurteils. Außerdem geht er darauf ein, dass auch das Publikum selbst durch Zahlungsbereitschaft und das Durchhalten von Ansprüchen an die Medien seinen Anteil zu hochwertigem Journalismus beitragen kann.

Nach der teils katastrophalen Berichterstattung über den Germanwings-Absturz kommt das Format zur richtigen Zeit. Die Medien werden kritisiert, Verleger müssen sich für ihre Entscheidungen rechtfertigen. Spiegel-Online-Chefredakteur kommuniziert „Guter Journalismus macht keine Kompromisse.“

Der Zweifel an den Medien wächst – für Bürger und auch für junge Medienschaffende. Professor Filipović beantwortet mir meine Fragen zum Thema Medienethik:

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Prof. Dr. Alexander Filipovic moderiert „Medienethik“ (Quelle: SJ-Bild/Leopold Stübner SJ)

Hat sich das Niveau von öffentlicher Kommunikation in den vergangenen Jahren verschlechtert?

Verschlechtert würde ich nicht sagen. Ich glaube, es gibt immer Potenzial, das Niveau öffentlicher Kommunikation zu verbessern. Die Gesellschaft braucht ein gutes Niveau. Man muss es sich immer wieder erkämpfen und erarbeiten, dass dieses Niveau einigermaßen hoch ist.

Ist es mit der Moral in den Medien nicht mehr so gut bestellt wie früher?

Damit wäre ich vorsichtig. Wenn man Journalisten fragt, wissen die meisten um den Wert des Vier-Augen-Prinzips und des Gegen-Checkens. Sie wissen auch im Normalfall mit Persönlichkeitsrechten gut umzugehen. Aber wie gesagt, die Wirtschaftskrise und die Digitalisierung haben dazu geführt, dass es nicht mehr einfach ist, sich an die etablierten Regeln zu halten.

Sind Projekte wie Krautreporter die Zukunft des Journalismus?

Das sind, denke ich, zukunftsfähige Formen, die da gerade erfunden werden, in Amerika noch mehr als hier. Die Wirtschaftskrise hat natürlich dazu geführt, dass einige gut etablierte Organe heute nicht mehr so funktionieren wie früher. Wenn man davon überzeugt ist, dass Journalismus relevant für das Gemeinwohl ist – dann muss man eben schauen, dass die Gemeinheit diesen auch finanziert.

Was würden Sie jungen Journalisten von heute mit auf den Weg geben?

Dass sie gebraucht werden. Dass ihr Beruf und ihre Leidenschaft notwendig sind für ein gutes Funktionieren der Demokratie. Wir brauchen eher mehr Journalisten. Aber man muss auch ehrlicherweise sagen, dass es ein harter Beruf ist, gerade wenn es um den Verdienst geht.

Die aktuelle Folge sowie ein ausführliches Gespräch mit Prof. Filipović sind in der Mediathek zu finden. Die Reihe wird immer montags um 21.45 Uhr auf ARD-Alpha ausgestrahlt. Die nächsten Folgen drehen sich unter anderem um die Zukunft des Journalismus, Datenschutz und Unterhaltungsfernsehen.

Über Julia Anton

22, 55. Lehrredaktion an der DJS/LMU.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 19. April 2015 von in Allgemein, Gesehen, Nachgefragt und getaggt mit , , , , , , , , , .
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