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Schlau mit TV?! – Sesamstraße statt Vorschule?

Der, die, das – wer, wie, was – wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt, bleibt dumm!“ Mit diesem Motto wurde die Fernsehserie Sesamstraße ab den 1970er Jahren auch in Deutschland bekannt. Die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie geben Anlass zum Vorbringen einer provokanten Frage: Können Kinder von der Wissenssendung genauso viel lernen, wie in der Vorschule?

Von Vera Dünninger

Wenn ich in meiner Kindheit ausnahmsweise einmal das Recht zugesprochen bekam, fern zu sehen, durften es selbstverständlich nur Formate mit Mehrwert sein. Die Sendung mit der Maus, Wissen macht Ah!, Willi wills wissen oder das Wissensmagazin Löwenzahn mit Peter Lustig (mittlerweile abgelöst von Guido Hammesfahr), versüßten mir so manchen Sonntagvormittag. Doch macht Fernsehen Kinder wirklich schlauer?

Die erste Folge der bis heute berühmt berüchtigten Sesame Street, der ersten US-Bildungssendung für Kinder, wurde 1969 ausgestrahlt. Figuren wie Ernie und Bert, Kermit der Frosch, das Krümelmonster oder die kunterbunten, flauschigen Muppets wurden schon in den frühen 70ern von einem Drittel aller amerikanischen Kleinkinder ins Herz geschlossen, nach Verbreitung des Kabelfernsehens war es sogar zwei Dritteln aller Haushalte möglich die Serie zu verfolgen.

Die Washington Post berichtete Anfang Juni von einer amerikanischen Studie, die ergab, dass die bekannte Fernsehshow Millionen von Kindern einen lang anhaltenden, lehrreichen Nutzen lieferte, der genauso positiv einflussreich wie der Besuch einer Vorschule ist. Besonders stark konnte dieser Effekt unter Jungen, afrikanischen Amerikanern und Kindern, die in benachteiligten Regionen aufwuchsen, nachgewiesen werden.

Doch heißt das, dass die Vorschule nun keine Existenzberechtigung mehr hat? Nein, doch die Massenmedien stellen eine wertvolle Ergänzung zur Vorschule dar. Die Sesamstraße wurde ursprünglich aus anderen Gründen konzipiert, unter anderem um Familien zu unterstützen und Kinder in der Entwicklung ihrer Sozialkompetenzen voranzubringen. Was kann aus diesen Erkenntnissen nun gelernt werden?

Jennifer Kotler Clarke, Vice President of Research & Evaluation der Sesamstraße, ist der Meinung: “If you organize information in storytelling, children are more likely to learn it. And adults are, too.“ Bildung muss also gut verpackt sein in Unterhaltung, nur so gelingt der Lerneffekt des Fernsehens! ARD alpha und Co. mit ihrem Frontalunterricht haben für die Erwachsenenbildung also ausgedient. 
Nehmt euch ein Beispiel an den Machern des Kinderfernsehens!

Über Vera Dünninger

Meinen Tag beginne ich am liebsten mit der Seite Drei der SZ. Was gibt es Schöneres, als eine Tasse Milchkaffee und eine gut recherchierte Reportage am Morgen? Ansonsten bin ich politisch überzeugte Leserin der taz und ihres französischen Pendants, der Libération. Ich mag es, wenn der Mensch im Mittelpunkt des Journalismus steht!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. Juni 2015 von in Gelesen und getaggt mit , , , , .

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