Munich Media Watch

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Social Media Is Not Real Life.

Essena O’Neill tritt zurück. Aber nicht so, wie sich das jetzt so manch einer vorstellt, nein: Sie tritt aus Instagram und den sozialen Medien zurück.

von Julia Hanigk


Das erfolgreiche Model Essena O’Neill postet regelmäßig Fotos von sich auf ihrem Instagram-Account, meist in knappen Outfits, schön, sexy. Circa 700.000 Anhänger verfolgen ihr scheinbar perfektes Leben und ihr perfektes Aussehen – sie ist berühmt. Plötzlich löscht die 19-Jährige über 2.000 Beiträge, auch auf Tumblr und YouTube, und betitelt alle ihre verbleibenden Bilder neu – die meisten mit der Unterschrift „Social Media Is Not Real Life“. Aber was ist der Grund für diesen plötzlichen Umschwung? Die Australierin möchte darauf aufmerksam machen, dass es ein Leben außerhalb der sozialen Medien gibt und es nicht darum geht, perfekt auszusehen. Ihre Schwester habe sie angeschrien, bei einem Bikinishoot so viele Bilder von ihr zu machen, bis das Perfekte dabei war. Für ein anderes Bild hungerte sie einen Tag, um den schönst möglichen Bauch zu haben.  Sie erklärt, dass sie von Firmen bezahlt wurde und teilweise über 100 Fotos in der gleichen Pose geschossen hat, die sie nachträglich vielfach bearbeitet hat. Nichts davon ist echt! Während die Bild nur möglichst viele knappe Bilder von Essena O’Neill und deren neuen Unterschriften zeigt, sieht es Der Spiegel eher kritisch: „plötzlich ist O’Neill weltberühmt, nicht nur bei Instagram-Nutzern“ und „Sie startete eine Kampagne gegen die angebliche Scheinwelt der sozialen Medien – und zwar über, genau: die sozialen Medien“, ist dort zu lesen. Er verweist darauf, dass viele Menschen auf Instagram ihr Geld verdienen würden und die meisten Fotos mehr Schein als Sein wären. Die SZ sieht das ähnlich und fügt die Frage hinzu: „Wie viel echtes Leben steckt in unserer Social-Media-Darstellung und wie viel Social-Media-Darstellung steckt in unserem Leben?“. Die Welt entgegnet: „[.] längst sorgen die Plattformen, und eben allen voran Instagram, für soziale Distanz. Nichts ist unechter, inszenierter, und trennender als ein Instagram-Foto, dessen Botschaften stets lauten: Mein Leben ist so viel glamouröser als deines, ich so viel schöner, fröhlicher, reicher“.

Die unterschiedlichen Haltungen zeigen: Social Media kann Fluch und Segen zugleich sein. Für  öffentlichkeitswirksame Personen, die damit ihr Geld verdienen können, eröffnet besonders die Instagram-Sparte neue Möglichkeiten. Das gilt für professionelle Fotografen genauso wie für junge Bloggerinnen. Dass dabei auch die Unternehmen kräftig mitmischen, wissen wir spätestens, seit das Portal für Werbung geöffnet wurde. Aber viele junge Mädels wissen das eben doch nicht – sie vertrauen anderen Usern wie Essena O’Neill und versuchen so zu sein wie ihr Idol. Viele von ihnen leben ihr Leben nach den Regeln der sozialen Netzwerke. Und für eben jene ist dieser Weckruf wahrscheinlich genau das, was sie gebraucht haben;  tausende verbreiten den Slogan vor allem über Twitter. Aber sehr wahrscheinlich spricht auch die Bloggerin Jane Wayne ein wahres Wort: „Ich halte noch immer an meinem Gedanken fest, dass nicht die Bilder das Problem sind, sondern wir selbst“.

Über Julia Hanigk

Leseratte, Serienjunkie, Kinostammgast und die aktuellen News immer dabei - auf dem Smartphone oder unterm Arm. Vor mir ist nichts sicher!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. November 2015 von in Gesehen und getaggt mit , , , , .
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