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Vertauschte Gender-Klischees

Man who has it all dreht in Twitter & Co die Geschlechterrollen um. Sexistische Kommentare, Infragestellungen der fachlichen Kompetenz – Dinge, mit denen Frauen jeden Tag konfrontiert werden. Gegenüber Männern: völlig absurd.

Von Sophia Kleiner

Me time. Im Wasser liegen Steine. Ruhe, Besinnung, Selbstfindung. Yoga, Tai chi oder eine andere x-beliebige spirituelle Richtung. Eindeutig der Twitter-Account einer Frau: So würde das Urteil vieler Männer lauten. Ganz nett, austauschbar. Aber siehe da: Das Profilbild zeigt einen Mann, den Man who has it all. Weit geöffnete Augen, staunender Mund – verstrahlt oder sexy, darüber kann gestritten werden.

Man who has it all gibt Männern Tipps, die mit einer erfolgreichen Karriere und ihrer Rolle als Vater zu kämpfen haben. Einer seiner beliebtesten Tweets: „I have absolutely no problem with male software engineers, as long as they have the necessary technical skills“. Ein Witz? Pure Ironie! Auf Facebook führt die – überwiegend weibliche – Netzgemeinde das Hirngespinst fort. „Same goes for airline pilots, unless of course they’ve just had a baby or are otherwise hormonal“, wird ergänzt. Verständlich! Lieber nichts riskieren! „Yeah, but male software engineers are probably just hired to fill a quota. Safest bet is to direct all your questions to a woman in the room, even if she’s in sales or marketing“, antwortet eine Nutzerin. Klingt fast so, als würde sie aus Erfahrung sprechen. „I even work together with male software engineers. And what can I say…. There are even some hot ones!“ ist eine andere kecke Antwort. Heiße Techniker? Die möchte ich kennenlernen – falls überhaupt etwas Wahres an der Aussage ist! Wenn schon nicht so fit wie eine Frau, dann wenigstens attraktiv. Wird hier jemand nicht für voll genommen? Ja. Aber warum fällt das bei den gleichen Bemerkungen gegenüber Frauen kaum einem auf?

„Working husband & father? Feeling overwhelmed? YOUR FAULT. Eat more almonds, run instead of walk & make EVERY eyelash visible“. „Pretty ridiculous, right?“, schreibt die New York Post. Eindeutig. Viele Frauenzeitschriften werfen allerdings mit Ratschlägen dieser Art um sich. Ohne Beschwerden zu kassieren.

Sexuelle Zuschreibungen, Infragestellen von beruflicher Kompetenz – für Frauen nichts Neues. Männer müssen mit dergleichen in der Regel nicht rechnen. Aber: Man who has it all dreht den Spieß um. Nette Gags mit Tiefgang. „Die Botschaft: So absurd sind [die Klischees] auch schon im Original“, schreibt der Karriere-Spiegel. Und der Mirror: „The tweets capture the daft messages sent to women every day across the media and the real world – and they’ve touched a nerve“. Weit über 90 000 Follower auf Twitter geben dem Mirror recht. Allerdings fällt auf: Die überwiegende Mehrheit der Follower und Kommentatoren – Frauen. Bei der weiteren Recherche taucht als Urheber immer wieder der Name Sarah Ballard auf. Dahinter steckt eine große Agentur. Leider doch nicht aus der Feder eines Mannes. Wäre auch zu schön gewesen! Aber trotz allem: Die Message lohnt sich, verbreitet zu werden – auch von Männern.

Über Sophia Kleiner

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. November 2015 von in Allgemein, Gelesen, Gesehen und getaggt mit , , , , , .

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