Munich Media Watch

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Terror. Angst. Hysterie?

Anschläge in Paris. Evakuierung in Hannover. Verstärkte Polizeikontrollen. Was tun wir, wenn die Angst sich in unseren Köpfen manifestiert? Wie gehen wir damit um, wenn der Terror anfängt uns im Alltag zu begleiten? Sind wir in Deutschland überhaupt noch sicher? – Fragen, die uns alle beschäftigen und auf die die deutschen Medien versuchen Antworten zu finden.

Von Julia Hanigk


„Bekannt ist ja auch, dass die Terroristen international agieren. Bis auch in Deutschland ein Anschlag passiert, ist es vielleicht wirklich nur noch eine Frage der Zeit. Diese Angst kann man den Menschen nicht nehmen“, meint der Angstexperte Borwin Bandelow im Interview mit dem SternFocus Online berichtet von „verstärkten Taschenkontrollen“ bei einer kommenden Veranstaltung in der Münchner Olympiahalle. Aber auch bei Konzerten habe man Sorge: „Ein Terrorangriff lässt sich durch die Sicherheitsmaßnahmen eines Konzertveranstalters nicht abwehren“, heißt es vom Pressesprecher des Muffatwerkes. Zum Konzert der Söhne Mannheims in Berlin kommen aufgrund von Terrorangst laut Aussagen des Veranstalters rund zehn Prozent weniger Besucher. Kein Wunder nach dem, was in Paris passiert ist (Siehe hierzu auch „Die Anschläge in Paris – Ein Kommentar zur Medienresonanz„).

Für die Menschen ist die Angst real geworden. In Europa. Näher gerückt. Die FAZ veröffentlicht passend dazu eine Studie über die Ängste der Deutschen: Die Angst vor Terrorismus steigt im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent! Damit haben 52 Prozent der Deutschen Angst vor Terror und lassen diese in der Gesamtwertung auf Platz zwei der größten Ängste rücken. Nur Naturkatastrophen können das noch toppen. Die SZ erklärt dieses Ergebnis mit gemachten Schlüsselerfahrungen, da besonders Jugendliche in der Zeit „zwischen 2000 und heute die Anschläge vom 11. September 2001 oder die atomare Katastrophe in Fukushima als prägende Ereignisse erlebt“ haben. Wer hämisch wäre, könnte bei diesem Ängste-Ranking auch „Überforderung der Politiker“ an fünfter Stelle mit 48 Prozent erwähnen.

Eher kontraproduktiv wirkt da, wenn Innenminister Thomas de Mazière auf die angstbedingten Fragen zur Absage des Länderspiels Deutschland – Niederlande mit „Ein Teil dieser Antworten könnte die Bevölkerung verunsichern“, antwortet, meint die SZ. „Ein Geschichtenerzähler baut so Spannung auf. Ein Innenminister tut genau das, was er vorgibt, verhindern zu wollen: Er verunsichert“.

Der Stern sagt aber: „Selbst in wirklich gefährlichen Situationen kehrt der Mensch, so gut er kann, zur Normalität zurück.“ Leben wir also auch nach solchen Anschlägen bloß aus Naivität unser Leben da weiter, wo wir aufgehört haben? Nein, sagt die taz. Die Attentäter wollen, „dass wir uns fragen, ob wir nur noch dort sicher sind, wo viele Pariser nun ihr Wochenende verbringen: zu Hause“. Sie plädiert dafür, den Alltag weiter zu führen um den Attentätern nicht genau das zu geben, was sie wollen. Kontrolle durch Angst. Überlegungen, ob es Freitags nicht gefährlicher ist als Dienstags, den Bus zu nehmen. Schlichtweg: Hysterie. Dass es dazu nicht kommen darf, hat Europa schon früher verstanden, schon nach 09/11: „Es hat den öffentlichen Raum nicht der totalen Kontrolle preisgegeben. Wir sind nicht zu Hause geblieben. Für immer in Angst? Nein“. Das gilt auch diesmal.

Über Julia Hanigk

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 21. November 2015 von in Allgemein und getaggt mit , , , , , , , , , , .

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