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Marke Schöneberger: Erfolg vorprogrammiert

Gruner + Jahr musste wegen der großen Nachfrage 50 000 Exemplare der Erstausgabe von Barbara nachdrucken. Zeit sich Schönebergers Zeitschrift mal vorzunehmen. Nur ein Hype um Schöneberger oder (auch) ein gutes Konzept?

Von Sophia Kleiner

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Cover „Barbara“

„Heute reist mein Maskenbildner mit drei Schrankkoffern und gibt als Berufsbild ,tätig im Fassadenbau`an“, sagt Barbara Schöneberger im Editiorial. Beim Schmunzeln erwischt? Unverwechselbar: Schöneberger. Und die „gibt´s jetzt auch als Heft“, O-Ton Schöneberger. Moderatorin, Schauspielerin, Sängerin und jetzt auch noch Redakteurin ihrer eigenen Zeitschrift: „Ob man […], sie zu schrill findet, zu mopsig […] oder zu schmerzfrei – die Schöneberger macht ihren Stiefel weiter“, schreibt der Stern. 50 000 nachgedruckte Exemplare der Erstausgabe ihrer Zeitschrift zeigen wieder einmal: Egal, was sie anpackt, der Erfolg ist programmiert.

Wehendes blondes Haar, Designer-Fummel von Victoria Beckham, tolle Kurven, aber kleines Bäuchlein und Falten: Tolle Frau auch ohne Retusche. „Eine echte Person aus Blut und erfreulich viel Fleisch“, schreibt die Welt. Leben, Mode, Beauty, Food, Home und Reise – das kommt bekannt vor. Aber Schöneberger verspricht: „Ohne Diät, Workout und To-do-Listen“. Vielleicht doch etwas Neues? Schwierig. Die Welt: „Revolutionär ist es nicht. Wie so oft aber machen die Nuancen den Unterschied“. Ohne To-do-Listen kommt Barbara dann aber doch nicht aus. Verpackt unter dem Namen: „Lehrplan des Lebens“ – die schwülstige Variante. Leser/innen lernen, wie sie ein Fest ausrichten, falsch angezogen Haltung bewahren, allein ins Restaurant gehen oder eine Affäre starten. Das Übliche. Typisch Schöneberger ist aber, dass sie die Ratschläge selbst nicht so ernst nimmt. Unangemessenes Outfit? „Zu spät kommen. Ein großer Look verlangt einen großen Auftritt.“ Das Beste daran: Schöneberger würde man das sogar zutrauen.

Schöneberger ist längst eine Marke – große Klappe mit viel dahinter. Immer mit einer guten Portion Selbstironie. „Ich hab vor Kurzem wieder angefangen, Sport zu machen. Mit einer Trainerin. Sie hat mich dabei gefilmt: Eine dicke, alte Frau trampelt orientierungslos und stöhnend durch den Raum“, berichtet Schöneberger von einem magischen Moment. Normalo-Frau mit Humor. Die Welt sieht es kritisch: „,Barbara` übertreibt es schon mal mit der Normalität: Beim Smalltalk zwischen Schöneberger und der Sängerin Sarah Connor […] steht auf dem Couchtisch eine Flasche ,Rotkäppchen-Sekt` (ab 3,99€)“. Durchkalkuliert oder spontan? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Aber wundert das wirklich noch jemanden im Mediengeschäft?

Der Erfolg von Barbara hat eine gute Basis: Ihr Gesicht. So unwahrscheinlich es ist, dass bald der Hype um Schöneberger nachlässt, so unwahrscheinlich ist es, dass ihrer Zeitschrift das Publikum ausbleibt – auch ohne spektakuläres Konzept.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 22. November 2015 von in Allgemein, Aufgefallen, Gelesen und getaggt mit , , , , , .

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