Munich Media Watch

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Pannenberichterstattung bei ARD und ZDF

Falsche Namen, viele Reporter und keine aktuellen Informationen: So sah die Berichterstattung in den ersten Stunden der Münchner Schießerei aus.

von Julia Anton

Gleich mehrere Korrespondenten hat die ARD in München. Erreichen tut sie allerdings erst mal keinen, Schwierigkeiten mit dem Ton. Gut, technische Probleme kann es ja geben. Als der Ton dann endlich funktioniert, erfährt man von den Reportern trotzdem nichts Neues.

Frage: „Weiß man denn schon, ob es sich um einen Einzeltäter oder um mehrere Verdächtige handelt?“

Reporter: „Das weiß man noch nicht.“

Meep: Knapp 10 Minuten vorher postet die Polizei München auf ihrer Facebook-Seite, dass man aufgrund von Zeugenaussagen derzeit von bis zu drei Tätern ausgeht.

Frage: „Was ist dran an den Gerüchten, dass der Hauptbahnhof geschlossen ist?“

Reporter: „Das weiß ich nicht, kann ich von hier aus nicht sagen.“Weite

Meep: Fünf Minuten vorher postetn verschiedene Medien, die ihre Redaktionen in der Nähe des Hauptbahnhofs haben, das dieser evakuiert und geschlossen wurde.

Jeder Zuschauer mit einem Smartphone hätte die Fragen besser beantworten können. Das erinnert wieder an den peinlichen Auftritt von Wolfgang Jandl Anfang derWoche, der seine Fehlinformationen von einem an der Tankstelle belauschten Gespräch hatte. Dann lieber gar kein Vor-Ort-Reporter.

Wer später die Pressekonferenz des Münchner Polizeisprechers sehen möchte, muss auf RTL umschalten. Im öffentlich-rechtlichen kommt sie deutlich zeitversetzt, da wiederholt man lieber nochmal bekannte Fakten. Als die PK schließlich auf ZDF kommt, die nächste Panne: „Peter Beck“ ist als Name des Polizeisprechers angegeben. Der heißt aber Marcus da Gloria Martins und hat einen großartigen Job gemacht. Peinlich.

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Blöd, das RTL die PK schon eher gezeigt hat. Und der Sprecher gar nicht Peter Beck heißt.

 

Weiter geht es mit einem Handyvideo von einer Schießerei auf einem Parkhausdach. Zuvor wurden auch schon Ausschnitte aus einem anderen Handyvideo vor dem McDonalds gezeigt: Die Szenen sind ganz heftig. Nicht jeder möchte das sehen – schon gar nicht die Angehörigen der Opfer. Einen Mehrwert hatten sie an dieser Stelle meiner Ansicht nach nicht. Die Süddeutsche Zeitung beispielsweise schreibt bewusst in ihrem Liveticker: „Die SZ hat sich dagegen entschieden, die Filme zu zeigen, die derzeit kursieren, um nicht der Verbreitung von Angst und Panik Vorschub zu leisten.“

Gegen 22.15 Uhr mache ich den Fernseher aus. Die ständige Wiederholung der Berichterstattung macht mich fertig. Lieber warte ich auf aktuelle Meldungen der Polizei, die hervorragende Arbeit auf Twitter und Facebook leistet (im Gegensatz zu Richard Gutjahr, der zeitversetzt Bilder postet. Immerhin gesteht er den Fehler später ein). Mal ehrlich: ARD, ZDF, das könnt ihr doch besser. Das müsst ihr besser können.

Über Julia Anton

22, 55. Lehrredaktion an der DJS/LMU.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Juli 2016 von in Allgemein.

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