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Das ewige Leid mit den Nutzerkommentaren

Für einige Kommentatoren scheinen die Grundregeln der Kommunikation im Internet nicht zu gelten. Merkur.de-Chefredakteur Thomas Kaspar stellt sich der Diskussion mit den Usern.

von Julia Anton

Das Internet ist toll. Jeder kann überall und jederzeit seine Meinung sagen. Theoretisch zumindest. Die SZ  zum Beispiel hat ihre Kommentarfunktion bereits abgeschafft. Bei Spiegel Online muss man sich zunächst registieren, die FAZ besteht dabei sogar auf Klarnamen. Grund sind diejenigen Nutzer, die diese Meinungsfreiheit missbrauchen, beleidigen und provozieren. Das Portal merkur.de bietet als eines der wenigen noch die Möglichkeit, die meisten Artikel in Gastbeiträgen und anonym zu kommentieren.

Doch nun stellt auch Chefredakteur Thomas Kaspar fest: Der Ton wird rauer. Das Community-Management muss täglich unzählige Kommentare löschen, die Beleidigungen enthalten, Hetzen und andere User und Redakteuer nicht respektieren. Bei kritischen Themen ist auch bei merkur.de ein Login erforderlich und die Kommentarfunktion geschlossen. „Wir legen schlicht Wert auf gutes Benehmen“, fasst Kaspar zusammen. Scheint aber für manche Nutzer dann doch nicht schlicht in der Umsetzungen zu sein. So kann es aber nicht weiter gehen, resümiert Kaspar deshalb, und bittet die User um Mithilfe.

Es folgen weit über 900 Kommentare, alle freigeschaltet und oft auch beantwortet durch den Chefredakteur persönlich. Die User wissen es zu schätzen: „Erstmal Respekt Herr Kaspar. dass sie sich hier im Forum den Kommentatoren überhaupt stellen“, schreibt jemand. Gegen Abend fasst der Chefredakteur erste Erkenntnisse zusammen: Was eine Diskussion wirklich sachlicher macht, weiß keiner so Recht, wäre wohl aber auch einer Wunderheilung gleich gekommen und zu viel verlangt gewesen. Dafür kann das Portal transparenter machen, weshalb gelöscht wird (gerade um dem Vorwurf zu entgehen, gelöschte Kommentare widersprächen einfach der Meinung der Redaktion) und wie das Community-Management generell arbeitet und so auch präsenter sein. Ein erster Schritt.

Bei der SZ hat man sich aus ähnlichen Gründen entschieden, die Diskussion für einige wenige Themen in ein Forum zu verlagern und dort intensiv zu betreuen oder auf soziale Netzwerke auszulagern. Dadurch kann das Niveau der einzelnen Diskussionen sicherlich angehoben werden, gleichzeitig werden aber andere Themen ausgenommen oder durch die Verlagerung auf Facebook u.ä. User ausgeschlossen, die dort nicht Mitglied sind. Die FAZ hingegen zwingt User zum Klarnamen: Dadurch beugt man vielleicht groben Beleidigungen vor, der Nutzer macht sich aber persönlich angreifbar. Das will nicht jeder.

Die offene Kommentarfunktion von Merkur.de ist daher zwar wünschenswert, lässt jedoch gerade bei Reizthemen Diskussionen zu, die sich ohne Moderation schnell hochschaukeln. Dass die Redakteure selbst die Kommentare betreuen, scheint allein schon aus Zeitgründen nur schwer realisibar. In dem sie sich ganz raushalten, machen sie sich aber unantastbar.

Der richtige Umgang mit Nutzerkommentaren scheint also noch nicht gefunden. Gerade deshalb ist es schön, das Thomas Kaspar hier – ob nun erfolgreich oder nicht – gemeinsam mit den Nutzern nach Verbesserungsvorschlägen sucht, statt die Gastbeiträge einfach abzuschaffen. Ein Instant-Messenger in die Redaktion, eine Facebook-Gruppe für erfahrene User – Ideen gibt es viele. Einfach mal probieren, was klappt und am Ende vielleicht Vorreiter sein, sollte nun der nächste Schritt sein. Schlechter kann’s kaum werden, wenn man sich die Kommentare ansieht, die Kaspar als Beispiel für Löschungen anführt.

Über Julia Anton

22, 55. Lehrredaktion an der DJS/LMU.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. Oktober 2016 von in Aufgefallen und getaggt mit , , , , .

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