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Zweitverwertet

„Sarah und Pietro – Die ganze Wahrheit“ ist ein bisschen wie ein schlimmer Autounfall: Man will zwar, kann aber nicht einfach weggucken.

von Julia Anton

Sogar Radio-Werbung hat RTL-II dafür schalten lassen. Der Sender verspricht ein Enthüllungsspezial seiner beiden liebsten Doku-Helden, Sarah und Pietro Lombardi, zwei verliebte DSDS-Teenie-Stars.

RTL begleitete die beiden zuvor schon beim Hausbau, beim Heiraten, beim Kinder kriegen, beim Italienurlaub. Klar, dass die Trennung der beiden (Sarah hat Pietro betrogen) auch nicht fehlen darf. 1,72 Millionen wollten hören, was die bei den Fans in Ungnade gefallene Sarah zu sagen hatte. Das Enthüllungsspezial ist aber erst mal ein Best-of von den beiden, naja, irgendwie doch liebenswerten Dummchen. So füllt man Sendestunden zur besten Zeit ohne neues Material drehen.

Jeder Streit der vergangenen Staffeln wird vom Sprecher als möglicher Vorbote interpretiert, bei jedem Glücksmoment heißt es schwermütig: „Wer hätte damals geahnt, das die beiden sich fünf Jahre/drei Jahre/zweieinhalb Jahre/ein Jahr später trennen werden?“ Willkommen im wahren Leben. Die Scheidungsquote liegt in Deutschland bei rund 43 Prozent, auch wenn die meisten Paare es immerhin 14,7 Jahre mit einander aushalten, Sarah und Pietro nicht mal vier.

Vor jedem Werbeblock wird die eigentliche Wahrheitsstory angekündigt (Sarah weinend: Ich wollte niemals unsere Familie zerstören!), kommt aber irgendwie nicht. Das bemerktte sogar Pietro: „Ich habe zwar nicht viel gesagt in der Sendung heute, aber das was ich gesagt habe, kam von Herzen.“ Focus Online zitiert dementsprechend wütende Facebook-Fans: „’Die ganze Wahrheit‘??? ‚Die alten Zeiten‘ hätte es eher getroffen. Nervig, da kann ich auch umschalten.“

Habe zumindest ich auch gemacht (die Sendung ging immerhin zwei Stunden!) aber nächste Woche gibt’s ja einen zweiten Teil. Und, immerhin: die Fans, die durchgehalten haben, waren wohl zufrieden. Zumindest zitiert die Gala aus den Kommentaren: „ich denke, ich spreche für viele. Man kann dich (Sarah) jetzt definitiv besser verstehen.“ Empört war bei dieser Rezension übrigens keiner.

Über Julia Anton

22, 55. Lehrredaktion an der DJS/LMU.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2. Dezember 2016 von in Gesehen und getaggt mit , , .
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