Munich Media Watch

Uns bewegt, was Medien bewegt.

Fle/xi/ta/ri/er, Ve/ge/ta/ri/er, Ve/gan/er

slowly veggie!, Vegetarisch Fit, Happy Veggie und wie sie nicht sonst noch alle heißen – langsam nimmt es für meinen Geschmack überhand mit all den Food-Magazinen für Leser, die dem Genuss von Fleisch und Fisch abgedankt haben (oder es zumindest vorhaben). Auch für Menschen mit noch radikalerer Ernährungsweise, Veganer, gibt es mittlerweile eigene Zeitschriftenformate (Kochen ohne Knochendas vegan magazin).

Von Vera Dünninger

Doch wie sieht es in der Realität mit den Essgewohnheiten der Deutschen aus? Was landet hierzulande wirklich auf dem Teller? Die letzte Die Zeit widmete sich dieser Thematik in einem ganzen Spezial-Heft. Hier veröffentlichte Statistiken konnten belegen, was hinter dem Vegan-Hype steckt. Deutsche, die ganz beziehungsweise teilweise auf Fleisch oder tierische Produkte verzichten, gehören noch immer der Minderheit an. Dem Max-Rubner-Instiut nach essen zwei Prozent der Deutschen weder Fleisch noch Fisch, eineinhalb Prozent verzichten auf Fleisch, jedoch keinen Fisch (Pescetarier) und ein Prozent lehnt jegliche Speise tierischen Ursprungs ab.  Macht also viereinhalb Prozent – Die Zeit bezeichnet diese berechtigterweise als ‚Fleischfreie Minderheit‘. Laut einer Umfrage des Greenpeace Magazins aus dem Jahr 2013 sind drei Prozent der Deutschen Vegetarier, sprich 2,5 Millionen Menschen, und 820.000 Veganer. Der Vegetarierbund Deutschland hingegen geht im Jahr 2013 von knapp sieben Millionen Vegetariern und 1,2 Millionen Veganern aus. Welche Ergebnisse nun auch immer stimmen mögen – in jedem Fall sind Veggies den Fleischessern zahlenmäßig unterlegen. 53% der Deutschen essen mehrmals die Woche Fleisch, 13% sogar täglich, Fisch wird seltener, bei 17% mehrmals die Woche verzehrt.

Weshalb also solch eine Auswahl an fleischlosen Rezeptsammlungen? Versucht man nun mittels Zeitschriften für vegetarisches Kochen Fleischesser zum Vegetarismus zu bekehren oder sie peu à peu an die fleischlose Ernährung heranzuführen – vom Karnivoren zum Flexitarier (die Zeit schreibt hierzu: ein Kofferwort aus flexibel und Vegetarier. Der Flexitarier ernährt sich nahezu vegetarisch, hin und wieder isst er aber doch Fleisch) zum Vegetarier, zum Veganer?! PETA, vebu, Greenpeace und Co. dürfte es freuen, dass das Thema Vegetarismus in den Medien so präsent ist (eventuell führt das ja tatsächlich zu einem Umdenken beim Publikum), auch wenn Verlage besprochene Zeitschriften wohl weniger aus Überzeugung, denn aus großen Profit-Erwartungen auf dem Markt herausbringen dürften. Ein Trend zum Vegetarismus ist nicht zu bestreiten (im Jahr 1983 ernährten sich erst 0,6% der Bevölkerung vegetarisch), dennoch erscheint mir die Anzahl an fleischfreien Koch-Magazinen überrepräsentiert.

Wie sich die Lage auf dem Rezipientenmarkt entwickeln wird, wird sich erst zeigen, denn der Großteil der Magazine ist noch relativ neu. Slowly Veggie (Druckauflage von 70.000 Exemplaren) und Veggie Journal (60.000 Exemplare) verzeichnen nach Verlagsangaben eine verkaufte Auflage von 28.000 Heften. Und auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Anzahl an Food-Bloggern (sowohl professionell als auch amateurhaft), vegetarischen und veganen Kochbüchern (allein im Jahr 2013, 74 Neuerscheinungen) und der doch sehr speziellen Zielgruppe, wird es spannend sein zu beobachten, ob sich die Formate auf dem Publikumsmarkt durchsetzen können. Interessant zu wissen wäre außerdem, wer die Leser obig besprochener Formate sind. Bereits überzeugte Vegetarier oder
(Noch-)Fleischesser?


Hier eine Auswahl an Magazinen zum vegetarische Kochen :)

Vegetarisch fitvegetarisch fit
Ist der anscheinend erste deutsche Zeitschriftentitel (seit 1993), der sich ausschließlich mit vegetarischer Ernährung befasst.
Wer Mitglied beim Vegetarierbund Deutschland wird, erhält ein Jahresabonnement gratis.
Verlag: Marken Verlag
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Druckauflage: ?

köstlich vegetarischKöstlich VEGETARISCH. Die neue Lust am Kochen; „Deutschlands vegetarisches Genießer-Magazin“
(wirbt mit: Viel Inhalt – wenig Werbung!)
Verlag: go direct verlags GmbH & Co. KG
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Druckauflage: 109.000

 

 

veggie journalVeggie Journal
existiert seit Juni 2013
Verlag: Well Media
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Druckauflage von 60.000 Exemplaren

 

 

slowly veggieslowly veggie!. Kochen für die Seele
Lust auf eine „eine köstliche und überraschende Reise in die Welt fleischlosen Genusses“?
Nach zwei Testausgaben im Jahr 2013, auf das nur positives Feedback von Seiten der Leser folgte, entschied sich Hubert Burda Media dazu ab 2014 in Serie zu gehen.
Verlag: Hubert Burda Media
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Druckauflage: 70.000

happy veggieHappy Veggie. Genuss für Seele und Sinne
Will sich von der Konkurrenz abheben indem statt Essen, Personen auf dem Cover abgebildet werden, beispielsweise die Köchin Sarah Wiener
seit April 2014 im Handel
Verlag: Hille Medien
Erscheinungsweise: vierteljährlich
Druckauflage liegt bei 60.000 Exemplaren

 

Über Vera Dünninger

Meinen Tag beginne ich am liebsten mit der Seite Drei der SZ. Was gibt es Schöneres, als eine Tasse Milchkaffee und eine gut recherchierte Reportage am Morgen? Ansonsten bin ich politisch überzeugte Leserin der taz und ihres französischen Pendants, der Libération. Ich mag es, wenn der Mensch im Mittelpunkt des Journalismus steht!

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