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Goodbye Abendzeitung !


Heute erscheint die Münchner Abendzeitung zum letzten Mal in alter Form. Gründerfamilie Friedmann hat abgedankt, Chefredakteur Arno Makowsky geht, ein Großteil seiner Mitarbeiter auch.  Wie verabschiedet sich die AZ nach 66  Jahren? Ein Blick in die Ausgabe.

von Natalie Berner

2014-06-28 11.13.27

Auch ich räume gerade mein Büro aus“, schreibt Arno Makowsky auf Seite Eins. Eine Doppelseite hat der Chefredakteur für Abschied und Rückblick freigeräumt. Die „Stationen einer stolzen Zeitung“ werden gezeigt, dazu ein Gruppenfoto der alten Mannschaft. Sechs Jahre war Makowsky verantwortlich für die Münchner Tageszeitung, die seit Anfang März Insolvenz beantragt hat. Es wurden bei der AZ in den vergangenen 20 Jahren viele Fehler gemacht, manche redaktionelle, viele kaufmännische. Es fehlte auch eine verlegerische Idee, jenseits von immer neuen Sparkonzepten“, begründet Makowsky das Scheitern des Blattes. Mehr „verlegerische Ideen“, hätte er sich wohl von der Gründer- und Eigentümerfamilie Friedmann gewünscht, die nach hohen Verlusten die AZ nicht länger finanzieren wollte.

2014-06-28 11.13.41Makowskys letzte gedruckte Worte als Chefredakteur sind ein Plädoyer für anspruchsvollen Boulevardjournalismus. Eine Zeitung, die Spaß machen darf, aber trotzdem Niveau hat“, das wollte seine Redaktion liefern. Es sollte mehr sein als fade Prominenten-Anbetung und Sex-and-Crime Geschichten.“ Boulevard sei ein Abbild der Wirklichkeit, das auch ernsten Themen mit Leichtigkeit begegnen kann. Auch Lyriker Hugo von Hoffmannsthal wird von Makowsky herangezogen: Man muss die Tiefe verstecken. Wo? An der Oberfläche.“

Versteckt wird jetzt erst mal nichts mehr, denn ob die neuen Verleger einen ähnlich ideellen Anspruch wie Makowsky haben, ist unwahrscheinlich. Ab nächste Woche haben Martin Balle vom Straubinger Tagblatt/ Landshuter Zeitung und Rechtsanwalt Dietrich von Boetticher das Sagen. Maximal 25 der 100 ehemaligen Mitarbeiter werden übernommen. Die alten Redaktionsräume werden geräumt. Die AZ wird aus Verbundsvorteilen im selben Größenformat wie das Straubinger Tagblatt erscheinen. Nur noch acht bis zwölf Seiten werden in München produziert, der Rest kommt aus Straubing.
Das Ziel, wie Balle den Münchner Merkur wissen lässt: eine familien-freundliche, liebevolle Stadtzeitung“. Wie das praktisch aussieht? Ab Mittwoch werden wir es beobachten.

Die Mitarbeiter der AZ verabschieden sich

Die Mitarbeiter der AZ verabschieden sich

 

Hier der vollständige Kommentar von Arno Makowsky

Zum Weiterlesen: Schöner Kommentar zur „Rettung, die keine ist“ von Journalist Christian Jakubetz

 

 

 

 

 

 

Über Natalie Berner

Studentin am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung. Mag Zeitung auf Papier, Fernsehen on-demand und Fragen in die Tiefe.

Ein Kommentar zu “Goodbye Abendzeitung !

  1. Peggy Hamfler
    28. Juni 2014

    Es ist traurig, dass sich das Klientel der Mitarbeiter so immens auf nur ein Viertel reduziert. Das ist haarsträubend, darf aber nicht entmutigen, neue Wege zu gehen, das Format “ Zeitung“ ganz neu zu denken. Innovation ist nun einmal auch biologisch von Vorteil, Dinge wandeln sich. Auch die Medien wandeln sich. Ich hoffe, die 75 Redakteure gehen nun mutig moderne Wege und versuchen ihr Glück.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28. Juni 2014 von in Gelesen und getaggt mit , , , , , , .

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