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100 % vegan – 100 % gut?

Noveaux – der nicht-fleischgewordene Traum eines jeden Veganers. Doch wird die grüne Zeitschrift die Modewelt nachhaltig verändern (können)? Von Stephanie Herkenroth

IMG_8008Das größte Geständnis gleich vorweg: Nein, ich bin keine Veganerin. Doch auch ohne den kompletten Verzicht auf tierische Produkte, war ich gespannt auf die erste Ausgabe von noveaux. Dem ersten deutschsprachigen Print-Magazin für vegane Mode und Trends. Seit dem 6. März ist es nun mit 15.000 Exemplaren auf dem Markt und lockt den Leser mit 122 Seiten grüner Lebensphilosophie. Der stolze Heftpreis von 6,90 € zeigt gleich zu Beginn: Nachhaltigkeit hat ihren Preis.

IMG_8010Beim Durchblättern der Zeitschrift noveaux wird schnell klar: Das Rad wird mit diesem Magazin (leider) nicht neu erfunden. Wie jedes andere Hochglanzmagazin für Frauen auch, beinhaltet diese vegane Variante bereits bekannte Ressorts: Beauty, Fashion, Werbung, DIY‘s, Interviews und Rezepte. Interessieren sich weiblichen Omnivoren und Veganer etwa doch für die gleichen Dinge?

IMG_8007Doch nicht die gesamte Zeitschrift schreit nach Mainstream. Da gibt es zum einen den ungewöhnlichen Namen. noveaux. Eine Kombination aus dem englischen Wort „No“ und dem französischen Begriff „ Veaux“ (zu Deutsch: Kälber). Clever, wenn man bedenkt, dass Kalbsleder das beliebteste Material für hochwertige Schuhe ist. Entstanden ist die Idee für noveaux übrigens im Rahmen einer Anti-Pelz-Kampagne für Animals Liberty, in welcher die Zeitschriftengründerin Julia Akra-Laurien ehrenamtlich tätig gewesen ist. Zu mutmaßen bleibt dennoch: Klischee oder Fügung?

IMG_8011Neben dem ungewöhnlichen Zeitschriftentitel, versucht die Gründerin und Chefredakteurin von noveaux bereits im Editorial den veganen Vorurteilen ein Ende zu setzen. Demnach ergibt ein selbstgestrickter Hanfpullover, ein Paar Filz-Pantoffeln und Dreadlocks nicht gleich den typischen Veganer. Was anfangs noch ganz amüsant erscheint, wird mit zunehmender Seitenzahl etwas zu viel des Guten. Es scheint fast so, als ob die erste Ausgabe der noveaux ausschließlich dafür verwendet worden ist, mit möglichst vielen Vorurteilen aufzuräumen. Spätestens nach den 77 Taschen und Schuhen ohne typischem Öko-Latschen-Siegel hat der Leser begriffen, dass Mode kein Fremdwort für Veganer sein muss.

Eines muss man dem Magazin jedoch lassen: Humor beweist es. So zum Beispiel beim Thema vegane WG‘s. Während manch einer nun verwundert seine Augenbraue hochzieht, überrascht dieser noveaux-Vorschlag selbst den eingefleischten Leser: Eine WG für Menschen mit Rosenkohl-Phobie? Hoffentlich erst im nächsten Leben. Aber ein netter Versuch der Redaktion.

IMG_8013Doch nun Spaß beiseite: Vegan hin oder her- grafisch verzichtet dieses Magazin auf absolut gar nichts. Und avanciert damit zum potenziellen Anwärter für das schönste Coffee Table Book des Monats. Abgesehen davon, ist das Konzept von noveaux beeindruckend. Ohne Investoren und in Teilzeit entwickelte die 34-Jährige Mutter Julia Akra-Laurien ein hochwertiges Magazin für genau ein Prozent der deutschen Bevölkerung. Von der fairen, veganen Druckerei und nachhaltigem Papier über Gutmensch-Selbsttests bis zum Interview mit der Gründerin von Lush. Alles 100 % vegan. Ob das gleichzeitig auch zu 100 % gut ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20. März 2015 von in Allgemein, Gelesen und getaggt mit , , , , , , .

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