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Cyberkrieg gegen den Terror

Anonymous: Sture Einzelkämpfer? Ihr erster Alleingang im Kampf gegen den Terror kann nur bedingt Erfolg vorweisen. Häme ist trotzdem fehlangebracht. Vision: Humanity united!

Von Sophia Kleiner

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SZ, 26.11.2015

Wie in einem Strom. Eine Meldung nach der anderen. Kein Ende in Sicht. Doch: Was ist wahr, was nur eine Mutmaßung? Und: Was hilft im Kampf gegen den Terror? Als die Hackergruppe Anonymous in einem Video auf Youtube „die totale Mobilmachung“ gegen den Terror ankündigte, war das ein Hoffnungsschimmer. Personen aufspüren, an geheime Daten gelangen: vermeintlich Unmögliches möglich machen. Das war dem Hackerkollektiv schon in der Vergangenheit gelungen.

Die Bilanz ist jedoch ernüchternd. „Einige gemeldete Twitter-Profile von mutmaßlichen Dschihadisten, aber auch viele falsche Hinweise, viel Geschimpfe und gegenseitige Beleidigungen und vor allem viel falsche Aufmerksamkeit“, schreibt die Zeit. Der Stern: „Kaum einer der Tausenden gemeldeten Nutzer scheint tatsächlich zum IS zu gehören. […] Für Anonymous scheint die Tatsache, dass Tweets in Arabisch abgesetzt werden, als Terrorverdacht auszureichen.“ Bittere Ironie. Aber was ist schief gegangen? Haben wir uns zu viel erhofft? Die SZ: „Anonymous ist auch deshalb so wenig effizient, weil die Heterogenität des Kollektivs einer klaren Strategie im Weg steht.“ Lose Strukturen, verschiedene Splittergruppen mit undurchsichtigen Zielen: Einheitliches Vorgehen sieht anders aus. „Im Kampf mit sich selbst“ titelt die Zeit. Schwer ist das auch für Sympathisanten des Hacker-Kollektivs, denn „wo Anonymous draufsteht, ist [zum Teil] Pegida drin“, so der Stern. Verschiedene Anonymous-Seiten, allen voran das Anonymous Kollektiv, verbreiten in Facebook rechtspopulistische Inhalte – Informationen zu aktuellen Initiativen gegen den Terror gibt es hingegen nur wenig. Mehr Distanz zu Trittbrettfahrern wäre erwünscht!

„Echte Hacker [wie die Ghost Security Group] stehen dem Vorgehen des lockeren Kollektivs Anonymous entsprechend skeptisch gegenüber“, schreibt der Stern. Die Ghost Security Group hat sich von Anonymous abgespalten und unterstützt internationale Geheimdienste in ihrer Ermittlungsarbeit. Umfangreiche Netzwerkanalysen, interne Kontrollen, Zusammenarbeit mit dem Staat: Unsichtbarkeit und System statt Populismus. „Die Aktionen der Möchtegern-Hacker [Anonymous] treiben den IS [hingegen] aus dem offenen Netz zunehmend in geschlossene Kommunikations-Formen wie die Chat-App Telegram. So wird es schwieriger, die Gruppen zu infiltrieren – und daraus wirklich geheime Informationen zu gewinnen“, kritisiert der Stern. „Echte Hacker“ Ghost Security Group vs. „Möchtegern-Hacker“ Anonymous? Aber wem hilft eine solche Differenzierung? Und was dürfen wir vom neuen Hoffnungsträger Ghost Security Group erwarten? Die SZ bleibt skeptisch: „Ob die neue Allianz zwischen Staat und Hackern helfen wird, den Konflikt einzudämmen und Leben zu retten, ist offen. Sicher ist nur, dass Handys, Computer und Server inzwischen Kriegswaffen sind.“

„We are uniting Humanity“ heißt es im Youtube-Video von Anonymous. Sicher ist: Uns vereint ein gemeinsames Anliegen – der Kampf gegen den Terror. Allerdings müssen wir auch alle zur Verfügung stehenden Kräfte gegen den Terror vereinen. Häme aufgrund von Fehltritten nützt dabei keinem etwas. Ein systematisches, abgesprochenes Vorgehen sollte allerdings die Grundlage für ein gemeinsames Handeln sein.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30. November 2015 von in Allgemein, Gelesen, Gesehen und getaggt mit , , , , , , .

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